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Nico Gross (23) ist derzeit einer der begehrtesten Verteidiger auf dem Transfermarkt. Der EVZ-Verteidiger steht vor einer wegweisenden Entscheidung. Der EV Zug würde den auslaufenden Vertrag mit dem gebürtigen Oberengandiner gerne um mehrere Jahre verlängern. Allerdings sollen gemäss der Zuger Zeitung auch andere Clubs an ihm interessiert sein. Für den EV Zug wäre eine Vertragsverlängerung mit dem Eigengewächs von zentraler Bedeutung.

Bleibt er oder geht er? Nico Gross steht vor einer wegweisenden Entscheidung.

Nico Gross (23) geniesst dieser Tage viel Aufmerksamkeit. Zum einen, weil er auf dem Eis konstant gute Leistungen zeigt und zum anderen, weil er eine begehrte Aktie auf dem sonst eher ausgetrockneten Verteidiger-Markt ist. Der 23-Jährige hat sich in den letzten drei Jahren stetig weiterentwickelt und gehört mittlerweile zu den konstantesten EVZ-Verteidigern. Ohne Verletzung hätte er im letzten Februar seine ersten Länderspiele bestritten. EVZ-Sportchef Reto Kläy würde den Vertrag mit dem Zuger Eigengewächs gerne um mehrere Jahre verlängern, sein Dossier geniesst gemäss der Zuger Zeitung höchste Priorität. Doch das Potenzial des jungen Verteidigers ist auch anderen Clubs nicht entgangen. Gemäss Klaus Zaugg (Watson) buhlen insbesondere der EHC Kloten, der HC Davos und die SC Rapperswil-Jona Lakers um seine Dienste.

Geld wird, das geht auch aus den Medienberichten hervor, nicht die entscheidende Rolle spielen. Entscheidend wird sein, welche Rolle er spielen kann. Beim EV Zug war in der letzten Saison ein Frist-Line-Verteidiger, in dieser Saison ist er bisher meist in der dritte Linie eingesetzt worden. Allerdings dürfte dies auch an der Verletzung liegen, welche ihn zu Saisonbeginn ausser Gefecht setzte. Klar ist, dass der Spieler mehr Verantwortung übernehmen will. Dazu gehört auch mehr Eiszeit, aber wird er diese bekommen? Es gibt gute Gründe, warum der EVZ gut daran täte, auf ihn zu setzen. Natürlich immer unter dem Gesichtspunkt, dass er konstant gute Leistungen zeigt.

Darum sollte der EV Zug mit Nico Gross verlängern

1. Nico Gross kann Top-4

Mehr Eiszeit würde in seinem Fall wieder ein Platz in den Top-4 der Zuger Verteidiger bedeuten. Gross hat bereits bewiesen, dass er Top-4 kann. Im denkwürdigen Playoff-Final 2022 gegen die ZSC Lions wurde er ab Spiel 4 – also jenem, in dem die Wende eingeläutet wurde – in den Top-4 eingesetzt. Auch letzte Saison spielte er nach seinem Kieferbruch meist in der ersten Linie neben Christian Djoos. In dieser Rolle war er einer der konstantesten Verteidiger der letzten Saison und konnte sich für eine Nationalmannschaftsnominierung empfehlen. Dazu ist er mittlerweile auch im Boxplay gesetzt.
Der 23-Jährige hat sein Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft und kann sich gerade im Offensivspiel noch steigern. Dass er in der Offensive einen grösseren Input haben kann, hat er in seinen drei Jahren in der Ontario Hockey League bewiesen (187 Spiele, 69 Skorerpunkte = 0.37 P/G). Beim EV Zug kommt er seit seiner Rückkehr aus Nordamerika auf durchschnittlich 0.14 Punkte pro Spiel. Insgesamt ist es Gross zuzutrauen, dass er sich in der Hierarchie der Zuger Verteidiger zusammen mit Tobias Geisser als bester Verteidiger mit Schweizer Pass etablieren kann.

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Nico Gross ist seit 2020 fester Bestandteil der Zuger Defensive.
Monika Majer / RvS.Media

2. Ein junges Eigengewächs, welches noch besser und zum Führungsspieler werden kann

Beim EV Zug ist man sich einig, dass der Verteidiger grosses Potenzial besitzt und dieses noch nicht vollständig ausgeschöpft ist. Gross kann noch besser werden. Unter diesen Gesichtspunkten passt er ins Konzept des Clubs. Die Zuger haben sich die Ausbildung, Förderung und Integration junger Eigengewächse in die erste Mannschaft zum Ziel gesetzt. Wenn Gross sein Potenzial ausschöpft, kann er die EVZ-Zukunft massgebend mitprägen und eine wichtige Säule sein. Hinzu kommt, dass er auch spielerische Attribute vorzuweisen hat, welche wichtig sind. So ist Gross einer der wenigen Spieler im Zuger Kader, der mit körperbetontem Spiel und zwischendurch mit kernigen Checks für Akzente sorgen kann. Es ist auch denkbar, dass Gross im Powerplay künftig eine gute Rolle spielen könnte – wenn er eine Chance erhalten würde. Dort sind die Zuger an der blauen Linie aber mit Hansson, Bengtsson und Geisser gut aufgestellt. Bei entsprechender Gelegenheit könnte dies aber eine interessante Möglichkeit sein. Mit seinen spielerischen Voraussetzungen hat er das Potenzial, um zum Führungsspieler heranzureifen.

3. Es fehlen Alternativen

Natürlich soll dies nicht heissen, dass man nur deswegen mit Nico Gross verlängern sollte. Die Zuger sollten den Vertrag aus sportlichen Gründen langfristig verlängern. Dies soll ein Argument sein, warum man umso mehr dafür tun sollte.
Ein Blick auf den Schweizer Verteidiger-Markt zeigt: Es fehlen die vielversprechenden Namen. Es gibt wenig Optionen, um einen allfälligen Gross-Abgang mit einem externen Transfer zu kompensieren. Ein möglicher Kandidat könnte Inaki Baragano (22) sein, der Lakers-Verteidiger spielt eine ähnliche Rolle wie Gross. Jedoch fehlt es ihm an physischer Präsenz (178cm). Eine Option könnte das Zuger Eigengewächs Cédric Fiedler (22) sein, der seit 2020 in der nordamerikanischen NCAA spielt. Natürlich gäbe es noch erfahrene Spieler auf dem Transfermarkt, jedoch würde solch ein Transfer nicht zur Transferpolitik passen. Mit Dominik Egli (25) steht zwar ein interessanter Name zur Verfügung, jedoch haben die Zuger für sein Profil (offensivstarker Verteidiger) keinen Bedarf. Natürlich könnte man eine interne Lösung forcieren, zumal für die kommende Saison bereits sieben Verteidiger unter Vertrag stehen. Eine Option wäre es, mit Rémi Vogel (21) und/oder Arno Nussbaumer (20) zu verlängern. Möglicherweise gibt es ein Talent aus der U20, welchem Kläy den Sprung in die National League zutraut. Dass Vogel und Nussbaumer seit 2022 nur spärlich Eiszeit erhielten und nun von Leon Muggli (17) verdrängt wurden, spricht nicht unbedingt dafür, dass man ihnen langfristig einen Platz im Kader zutraut.

Apropos Leon Muggli: Trotz Vertrag ist nicht garantiert, dass das Zuger Supertalent nächste Saison auch wirklich in Zug spielt. Muggli ist 2024 erstmals berechtigt für den NHL Entry Draft und wenn er weiterhin so spielt, könnte er möglicherweise Chancen haben, um gedraftet zu werden. Zuletzt war in einem Artikel auf NHL.com in der Rubrik «Draft Watch» zu lesen, dass Muggli dank einer guten Saison ein Kandidat für die zweite Runde sein könnte. Sollte dies eintreffen, ist ein Wechsel nach Nordamerika eine realistische Möglichkeit.

Davos, Kloten, Rapperswil oder Zug – so stehen die Chancen von Nico Gross auf eine grössere Rolle

Welche Rolle der Verteidiger künftig in Zug spielen könnte, wurde bereits erläutert. Wie schon erwähnt, scheinen sich gemäss Klaus Zaugg und Watson der HC Davos, der EHC Kloten und die SC Rapperswil-Jona Lakers am stärksten um ihn zu bemühen. Daher lohnt es sich, einen kurzen Blick auf deren Kader zu werfen.

HC Davos
Aufgrund seiner Herkunft – Gross stammt aus Pontresina – wäre dies sicherlich die naheliegendste Option. Die Davoser werden wohl auch in der kommenden Saison mit zwei Imports in der Verteidigung spielen. Dazu kommt Michael Fora (27), ein erfahrener Nationalspieler und mehrfacher WM-Teilnehmer. Viel wird davon abhängen, was mit dem offensivstarken Dominik Egli passiert. Der 25-Jährige besitzt einen auslaufenden Vertrag. Wenn Egil ebenfalls verlängert, wäre die sportliche Ausgangslage ähnlich wie in Zug. Ein Pluspunkt könnte Headcoach Josh Holden spielen, den er natürlich noch bestens kennt.

EHC Kloten
In Kloten gibt es noch viele Fragezeichen. Mit Steve Kellenberger (36), seinem Namensvetter Matthew Kellenberger (24), Leandro Profico (33) und Rajan Sataric (31) stehen erst vier Verteidiger für die kommende Saison unter Vertrag. Dazu dürfte sich noch ein Importspieler gesellen. In Kloten könnte Gross also tatsächlich eine wichtige Rolle spielen, jedoch ginge dies in diesem Fall zu Lasten der sportlichen Konkurrenzfähigkeit. In Kloten kämpft er nicht mehr um Titel, sondern im besten Fall um die Playoffs.

SC Rapperswil-Jona Lakers
Die Lakers müssen den Abgang von David Aebischer (23, wechselt nach Lugano) kompensieren. Für die kommende Saison stehen mit dem Schweden Emil Djuse (29), Colin Gerber (25), Tim Grossniklaus (28), Fabian Maier (31), Nathan Vouardoux (22) und Luca Capaul (24) sechs Verteidiger unter Vertrag. Wobei letzterer in dieser Saison bislang sportlich keine Rolle spielt und auch Grossniklaus schon öfters überzählig war. Somit hätte es sicherlich auch bei den Lakers durchaus Platz für Gross, der bei Sportchef Steinmann ganz oben auf dem Zettel stehen soll. In puncto persönliche Beziehungen könnte hier Sportchef Janick Steinmann ebenfalls ein Pluspunkt sein: Als Gross in der Saison 2016/17 bei der EVZ Academy seine erste Profisaison bestritt, war Steinmann als Development Coach tätig.

Leichter Vorteil Zug?

Eine Prognose ist schwierig zu treffen. Was für einen Verbleib in Zug sprechen könnte ist die Tatsache, dass Gross gemäss der Zuger Zeitung Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit signalisiert habe. Auch hat er einen Verbleib nicht ausgeschlossen und eingeräumt, dass es einige Dinge gäbe, die für Zug sprechen. Seine Zukunft will Gross bis zur Nationalmannschaftspause im November klären. Es bleibt zu hoffen, dass er diese in Zug sieht.

Quellen

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