Bull-etin Zug

Torhüter Luca Hollenstein (23) steht vor einer wegweisenden Entscheidung. Sein Vertrag endet im Frühling 2024 und er muss entscheiden, wo er den nächsten Karriereschritt vollziehen möchte. Für viele ist nach der Genoni-Verlängerung klar, dass seine Zukunft nicht beim EVZ liegt. Obwohl die Zeichen eher auf Abschied stehen, gibt es gute Gründe, warum ein Verbleib in Zug dennoch eine Option sein sollte.

Luca Hollenstein wirft einen Blick in die Zukunft - wohin führt sein Weg?
Robert Hradil / RvS.Media

Seit über vier Jahren bilden der Churer Luca Hollenstein (23) und der siebenfache Meistergoalie Leonardo Genoni (36) ein perfekt eingespieltes Torhütergespann beim EV Zug. Dieses Gespann war zentraler Bestandteil der beiden Meistertitel 2021 und 2022. Allerdings ist dabei natürlich nicht zu leugnen, dass der Anteil Genonis ungleich höher ist. Alleine schon, weil Hollenstein keine einzige Sekunde Playoffs gespielt hat.
In dieser Zeit hatte Hollenstein in Zug mit dem siebenfachen Meister Genoni den bestmöglichsten Mentor. Auch dank ihm ist Hollenstein längst nicht mehr nur ein Talent, sondern ein Torhüter mit Ambitionen. Der 23-Jährige hat bereits bei mehreren Möglichkeiten mit starken Leistungen bewiesen, dass er auf der Bühne National League bestehen kann. Auch seine Auftritte zu Beginn dieser noch jungen Saison haben diesen Eindruck untermauert. Nach bald fünf Jahren EVZ möchte Hollenstein den nächsten Schritt gehen und mehr Verantwortung übernehmen. Vor kurzem war er beim MySports-Podcast «Puck Off!» zu Gast und sagte, angesprochen auf seine Zukunft, folgendes: «Das Ziel ist logischerweise, so viel spielen wie möglich. Das brauche ich auch, um den nächsten Schritt zu machen.»

In der Luzerner Zeitung war kürzlich zu lesen, dass die Zeichen auf Abschied stehen. Demnach strebe der Torhüter einen Ausbruch aus dem gewohnten Umfeld an, um seine Sporen bei einem anderen Club abzuverdienen. Aus dem Bericht geht aber auch hervor, dass eine Entscheidung noch nicht getroffen wurde. Ist ein Abgang wirklich die einzige Option? Nach wie vor gibt es gute Argumente, welche für einen Verbleib sprechen könnten. Hier sind vier Argumente, warum ein Verbleib sinnvoll sein könnte.

Das spricht für einen Verbleib

1. Erfahrung in wichtigen Spielen sammeln

Ein ausschlaggebender Punkt für einen Wechsel wäre, dass Hollenstein hinter Genoni nicht die gewollte Eiszeit erhält und in den wichtigen Spielen nicht eingesetzt wird. Doch genau dies könnte ein wichtiges Kriterium sein bei einem Vereinswechsel.
Genoni ist und bleibt zwar ein ehrgeiziger Sportler, aber auch er wird mit zunehmendem Alter mehr und mehr Verschnaufpausen brauchen. Ausserdem hat er in Zug mit Headcoach Dan Tangnes und Torhütertrainer Simon Pfister zwei Vertraute, welche seine Fähigkeiten schätzen und auf ihn setzen. Wenn er es ohne Verletzungen durch die Qualifikation schafft, ist es durchaus denkbar, dass er in dieser Saison seine ersten Playoff-Einsätze bekommt. Damit würde auch sein Wert auf dem Transfermarkt rapide steigen. In Zug wäre ihm die Unterstützung vom Coaching Staff, von Genoni und insbesondere auch von den Fans gewiss.

Sein anvisiertes Ziel von 20-25 Spielen pro Saison wird er übrigens in dieser Saison in Zug erreichen, wenn ihn nicht erneut eine Verletzung stoppt. Ob er bei einem anderen Club tatsächlich mehr Verantwortung und Eiszeit in entscheidenden Spielen erhält, ist unklar.

2. Ein Wechsel bringt keine Garantie auf mehr Einsatzzeit

Zwar haben viele Clubs noch eine Planstelle im Tor zu besetzen, aber gerade Topclubs haben häufig bereits mindestens einen starken NL-Torhüter mit Vertrag über 2024 hinaus im Kader. Insgesamt haben mit Ajoie (Ciaccio/Patenaude), Ambri (Juvonen/Fadani), Bern (Reideborn/Wüthrich), Langnau (Boltshauser/Charlin), Lausanne (Hughes/Punnenovs), Lugano (Schlegel/Fatton) und den Lakers (Nyffeler/Meyer) bereits sieben Teams mindestens zwei Torhüter für die kommende Saison unter Vertrag. In Davos (Aeschlimann) und Genf (Descloux) steht bereits eine starker NL-Torhüter langfristig unter Vertrag. Biel wird voraussichtlich mit van Pottelberghe oder Säteri weitermachen und beim ZSC wird man eine Verlängerung mit Hrubec anstreben. Zumal bei Z theoretisch immer noch Ludovic Waeber unter Vertrag steht, sofern er vor 2025 aus Nordamerika zurückkommt. Ausserdem wäre es wenig verwunderlich, wenn Robert Mayer und Reto Berra ihre Verträge in Genf bzw. Fribourg verlängern würden.

Die grosse Unbekannte auf diesem Torhüterkarussell ist der EHC Kloten. Dort laufen die Verträge von Juho Metsola und Sandro Zurkirchen im kommenden Frühling aus. Eine Verlängerung mit Metsola ist – sofern es auch im Interesse des Finnen ist – denkbar. Somit bliebe für Hollenstein auch da nur die Rolle der Nummer Zwei, im besten Fall 1B. Es ist aber kaum denkbar, dass sich Hollenstein hinter einem Import-Torhüter anstellen würde. Wenn er Zug verlässt, muss er zu einem Club wechseln, bei dem sich seine sportliche Situation verbessern würde. Somit wäre Kloten wohl auch nur dann eine Option, wenn Metsola geht.

Was diese Konkurrenz-Analyse zeigt: Bei den meisten Clubs müsste er ebenfalls mit einem namhaften Torhüter konkurrieren. In Biel wohl mit van Pottelberghe oder Säteri, in Davos mit Aeschlimann und in Fribourg wohl mit Berra. Bei all diesen drei Teams hätte er somit einen Schweizer Nationalspieler vor der Nase. Dabei sei auch erwähnt, dass Berra beim HCFG trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch die deutliche Mehrheit der Spiele bestreitet und Aeschlimann beim HCD in den entscheidenden Spielen stets gesetzt war. Sein Konkurrent Gilles Senn – ungleich erfahrener als Hollenstein - hat seit seiner Rückkehr aus Nordamerika 2021 keine einzige Sekunde Playoffs gespielt!

3. Geduld kann sich auszahlen

Zugegeben, Hollenstein ist nun schon in seiner fünften EVZ-Saison neben Genoni. Daher kann man dem 23-Jährigen attestieren, Geduld bewiesen zu haben. Zumal die letzte Vertragsverlängerung im Oktober 2021 für viele schon überraschend war. Dennoch könnte es sich für ihn lohnen, nochmals Geduld zu beweisen. Bleibt er beim EV Zug, kann er weiter von Genoni lernen und sich auf seine Nachfolge vorbereiten. Sollte es sich in diese Richtung entwickeln, könnte es spätestens 2025 zum Rollentausch kommen. Der Churer wären dann immer noch erst 25 Jahre alt. Beim EVZ kann er sein Standing stetig verbessern, bei einem neuen Club müsste er sich dieses erst erarbeiten. Der Wechsel und die aktuelle Situation von Yannick Zehnder bei den ZSC Lions könnte da als mahnendes Beispiel dienen.

4. Sportliche Wettbewerbsfähigkeit

Ein Verbleib beim EV Zug wird ihm – hoffentlich – auch in Zukunft Einsätze in einem sportlich ambitionierten Umfeld garantieren. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass die Zuger in den kommenden Jahren nicht mehr im Titelrennen mitmischen werden. Bei einer sportlich erfolgreichen Saison könnte auch die Champions Hockey League schon bald wieder Tatsache werden. Will er unbedingt zu einem Club, bei dem er regelmässiger spielt, könnte es unter Umständen Einbussen in der sportlichen Wettbewerbsfähigkeit bedeuten. Einsätze auf hohem sportlichem Niveau sind auch für seine Entwicklung hilfreich. Natürlich ist dieses Argument davon abhängig, welche Wechseloptionen sich für ihn schlussendlich ergeben.

Eine Entscheidung soll bald fallen

Natürlich gibt es genau so gute Gründe, warum Hollenstein den EV Zug verlassen sollte. Schlussendlich wird Hollenstein für sich die beste Entscheidung treffen müssen und dort unterschreiben, wo er die besten Perspektiven für seine Entwicklung sieht. Gemäss dem aktuellsten Bericht der Luzerner Zeitung wird eine baldige Entscheidung erwartet, wobei die Zeichen tendenziell auf Abschied stehen. Für den EV Zug wäre es ein bitterer, wenn auch nachvollziehbarer Abgang.

Bull-etin Zug

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