Das Ambrì-Fieber und seine Nebenwirkungen

In der bisher kurzen Amtszeit von Sportchef Paolo Duca, ist Dominik Hrachovina bereits der dritte Tscheche, der in die Leventina kommt. Auch wenn der junge Goalie (vorerst) nur als Ersatz für Benjamin Conz gekommen ist, fasziniert er…und regt zum Nachdenken an.

Was aus dem Transfer von Kubalik geworden ist, ist bekannt. Überspitzt kann man sagen, dass er durch Ambrì bzw. Duca den Sprung in die NHL geschafft hat. Novotny, der zweite Tscheche, kam letzten September für vorerst zwei Monate in die Leventina. Sein Vertrag wurde dann bis Ende Saison verlängert und nun bleibt er mindestens die ganze gerade begonnene Spielzeit. Er ist aus dem Kollektiv nicht mehr herauszudenken. Novotny ist der Spassvogel und verbreitet gute Stimmung. Bei den Fans ist er durch sein Aussehen, seine Spielweise und sein Verhalten schnell zum Publikumsliebling geworden. Seine Rückkehr wird sehnlichst erwartet.

Dominik Hrachovina ist der neuste tschechische Neuzuzug. Er ist aufgrund der verletzungsbedingten Absenz von Benjamin Conz nach Ambrì gekommen, um Daniel Manzato entlasten zu können. Damit ist die Situation sehr ähnlich wie bei Novotny. Der Flügelstürmer kam damals als Ersatz für den verletzten Bryan Lerg, überzeugte aber dermassen, dass er eben immer noch da ist. Bei Hrachovina würde es mich nicht überraschen, wenn es ähnlich läuft. Seine Leistungen in den bisherigen Spielen der Champions Hockey League und den Testspielen lassen aufhorchen. Beim Auswärtsspiel in Färjestad kam er auf eine Abwehrquote von 93.5% und zu Hause gegen denselben Gegner gar auf eine Traumquote von 97.4%. Auf dem Weg zum ersten Sieg in der Champions Hockey League Ambrìs zeigte er 37 Saves. Nicht nur diese Werte verblüffen, sondern auch die Art und Weise. Hrachovina hat einen enorm schnellen Fanghandschuh und lässt kaum Abpraller zu. Dies gibt dem Team natürlich eine riesige Chance, Spiele zu gewinnen. Befragt nach seinem Spielstil, sagte er nur: «Ich weiss nicht, ob ich einen besonderen Stil habe. Ich versuche einfach die Pucks zu blockieren.» Es wäre doch so einfach…

Dominik Hrachovina überzeugt in Ambrì.
Roland jauch

Bleibt Hrachovina länger?

Die guten Zahlen und der gute Eindruck kommen nicht von ungefähr. Bei Tappara Tampere und auch in der letzten Saison bei Barys Astana kam Hrachovina auf sehr akzeptable bis sehr gute Werte. Bedenkt man sein junges Alter für einen Goalie von 25 Jahren, ist er durchaus ein Versprechen für die Zukunft. Genau da ist der Anknüpfungspunkt der Überlegungen. Die Goaliesituation in Ambrì ist wie folgt: Die eigentliche Nummer 1, Benjamin Conz, fällt bis mindestens November wegen einer Hüftoperation aus. Deswegen wurde Hrachovina verpflichtet. Der Conz-Backup Daniel Manzato hat noch einen Vertrag bis Ende dieser Saison. Ob Ambrì mit ihm noch einmal verlängern will, ist höchst ungewiss. Manzato ist dann 36 Jahre alt. Ohne respektlos klingen zu wollen: In 17 Spielen der vergangenen Saison kam er auf eine Fangquote von 89.1%. Manzato hat definitiv hervorragende Abende, an denen er das Team zum Sieg tragen kann. Aber dies ist nicht die Regel und reicht in der National League auch für einen Backup eigentlich nicht.

Verlässt Manzato den Verein Ende Saison oder tritt er gar zurück, braucht Ambrì mindestens einen neuen Backup für Conz. Hrachovina würde durchaus gut ins Team passen. Er ist jung und erfolgsversprechend. Auch wenn man in seinen Spielen eine Ausländerlizenz «opfern» müsste, könnte es sich lohnen. Kurzfristig stellt sich die Frage, ob Conz bei seiner Rückkehr gleich wieder zu dem sicheren Rückhalt wird, der er war. Vielleicht wäre da Hrachovina ein sicherer Wert, um einspringen zu können. Für Manzato gäbe es immer noch die Einsatzmöglichkeiten in Cup, Spengler Cup oder Champions Hockey League. Wenn es die Finanzen zulassen, wäre es sicher nicht das Dümmste, ihn bis Ende Saison zu behalten und ihm dann je nach Ausgangslage einen neuen Vertrag zu geben. Ambrì ist wie kaum ein anderes Team für den Erfolg auf ein (oder zwei) sehr guter Goalie angewiesen.

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