Es ist nicht die Anzahl Nationalspielerinnen, die ein Team zu einem Spitzenteam macht. Es ist vor allem auch die Chemie, der Zusammenhalt im Team. Zug hat seine Truppe in einer Art und Weise zusammengesetzt, die nahe an Perfektion grenzt. Leaderinnen à la Lara Stalder oder Annika Fazokas oder den Nati-Spielerinnen Rahel Enzler, Noemi Ryhner, Alina Marti und Annic Büchi, ergänzt mit kommenden Leaderinnen à la Ivana Wey und einer ganzen Reihe von jungen Wilden. Das Gebilde EVZ ist ein Musterbeispiel dafür, wie geschickt und gekonnt man ein Team bilden kann.
Am andern Ende dieses Massstabs steht der Finalverlierer SC Bern. Da passt im Team (und möglicherweise auch an der Bande?) wenig zusammen, das war seit Saisonstart ersichtlich. Da schwelte seit Monaten ein Brand, der nie gelöscht werden konnte, der immer weiter mottete, ab und zu kurz erlosch und sich schliesslich zum Flächenbrand entwickelte. Wenn fünf Stammspielerinnen und drei Ergänzungsspielerinnen den Club verlassen, muss irgendwo ein gewaltiges Problem menschlicher Natur vorgelegen haben.
Der amtierende Meister war nie dazu in der Lage, den Favoriten zu fordern. Die Begeisterung auf den Titel war in den Reihen der Bernerinnen im Quadrat kleiner als bei den souveränen Zugerinnen. Wer mit einem Torverhältnis von 17:4 Meister wird, der muss praktisch alles richtig gemacht haben. Oder in umgekehrter Form: Wer mit einem Torverhältnis von 4:17 verliert, der hat wenig bis gar nicht richtig gemacht.
Das ist eine pauschale Bewertung, zugegeben. Aber im Fall der Zugerinnen trifft sie zu 100 Prozent zu. Dafür verdient das Team von Daniela Diaz allergrössten Respekt. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Zugerinnen dank viel Geld die besten Voraussetzungen im Schweizer Fraueneishockey haben. Es ist eben so, basta!
Duvin zu Gottéron, Rozier zu Lausanne
Dass der SC Bern nur Stunden nach dem verlorenen Playoff-Final die Abgänge von fünf Stamm- und drei Ergänzungsspielerinnen vermeldet, ist der Tatsache geschuldet, dass die meisten dieser Transfers bereits seit Wochen feststanden und damit auch nicht gerade förderlich für die Teamchemie waren (Ausnahmen: Wetli, Rossel, Leibundgut). Topskorerin und zugleich die wohl eigensinnigste Spielerin auf Schweizer Eis, Estelle Duvin, zieht zu ihrem früheren Coach Thomas Zwahlen zu Fribourg-Gottéron. Clara Rozier schliesst sich dem Aufsteiger Lausanne an und Alena Rossel und Ilana Leibundgut versprechen sich in Davos bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Ebenfalls zu Davos wechselt Zugs Meister-Verteidigerin Elena Gaberell.
Stefanie Wetli kehrt als Nati-Verteidigerin in ihren Heimatkanton, zu den ZSC Lions Frauen, zurück. Es ist das erste Mal, dass die 26-jährige Winterthurerin nach Stationen im Nachwuchs ihrer Heimatstadt, Weinfelden, Thurgau Ladies und Davos für die Lions-Organisation spielen wird. Auch zwei weitere Nati-Spielerinnen, die mit Abstand beste Schweizer Verteidigerin dieser Saison, Lara Christen sowie Nati-Stürmerin Kaleigh Quennec (Lausanne?) könnten in Bern vor dem Absprung sein. Ihre Vertragsverlängerung wurde bisher nicht gemeldet.
Fribourg-Gottéron hat bisher nur den Zuzug der 23-jährigen kanadischen Verteidigerin Jamie Grinder (Salzburg Eagles) bestätigt, in Kanada vermelden sowohl die Spielerin als auch der bisherige Club zudem den Transfer der 22-jährigen Stürmerin Kyra McDonald von der Trinity Western University aus der kanadischen USports-League. Bereits fix ist der Zuzug von Langenthals Aiyana Vuillemin. Hinter den Kulissen läuft noch einiges mehr, doch wie immer halten sich die Gerüchte in Grenzen und der Kommunikationswille der Women's League-Clubs bleibt auch in dieser Beziehung begrenzt.
Apropos Kommunikation: Auch in dieser Beziehung ist der EV Zug klarer Meister!
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