Man kann es drehen und wenden, wie man will: Der EV Zug hat die Liga im Würgegriff. Kein (Spitzen-)Team hat die Innerschweizerinnen auf ihrer Mission bisher auch nur annähernd in Bedrängnis bringen können. Vor allem nicht seine beiden ersten Konkurrenten Ambri-Piotta und der amtierende Meister SC Bern: Die Zugerinnen demütigten ihre Gegnerinnen mit Kantersiegen. Nur die Fribourg-Gottéron Ladies brachten die Innerschweizerinnen am letzten Sonntag an den Rand eines ersten Punktverlusts, doch das Glück blieb in Zuger Hand. Anderthalb Minuten vor Schluss besiegelte ein Shorthander das Schicksal der Freiburgerinnen.
Herausragend
Dieses Prädikat verdient nach einem Viertel der Meisterschaft nur ein Team: der EV Zug. Acht Spiele, 24 Punkte, 46:7 Tore, 13 verschiedene Torschützinnen. Das ist in der Tat herausragend. Ein Vergleich mag die These, dass die Zugerinnen im März 2026 Meister werden, unterstreichen: Der SC Bern, Meister 2024/25, kam in der letzten Saison auf 19 Siege in Folge, 13 in der Qualifikation und sechs in den Playoffs. Am Ende dieser Serie wartete der Kübel auf die Bernerinnen. In der Saison 2023/24 reihten die ZSC Lions Frauen 12 Siege aneinander … und wurden Meister. 2022/23 waren es wieder die ZSC Lions, die mit zweimal acht Siegen in Folge den Meistertitel holten. Und 2021/22 erspielten sich die Zürcherinnen neun Siege in Folge und holten den ersten Titel ihrer Meister-Triplette. Womit die These bewiesen wäre. Zug, Zug und noch einmal Zug – der Rest der Liga spielt um die Ehrenplätze. Oder doch nicht?
Erste Zäsur
Die wie immer unübersichtliche Rangliste – nicht alle Teams haben gleich viele Spiele – zeigt eine erste Zäsur des Leaders zu den drei Verfolgern, die ihrerseits deutlich vor zwei weiteren Teams und den letzten Zwei liegen. Zug führt mit acht Punkten Vorsprung auf Ambri, neun auf die ZSC Lions (ein Spiel weniger) und zehn auf den SCB (zwei Spiele weniger). Der Abstand von Bern zu Davos (ein Spiel mehr) und Gottéron (drei Spiele mehr) beträgt fünf Punkte und gar 11 Punkte auf die NHA (zwei Spiele mehr) und Langenthal (drei Spiele mehr). Was nichts anderes heisst, als dass die Playoff- respektive Play-In-Teilnehmer bereits feststehen.
Hattrick
In den bisherigen 62 Spielen der PostFinance Women's League gelang nur einer Spielerin ein Hattrick: ZSC-Captain Lisa Rüedi traf beim 6:1-Sieg gegen Langenthal dreimal. Zugs Alina Marti schnürte dreimal einen Doppelpack, Lara Stalder (Zug), Lena-Marie Lutz (Ambri) trafen zweimal doppelt, Rebecca Rocchella (Davos), Rahel Enzler (Zug), Fanny Rask, Michaela Pejzlova, Zoe Merz (alle Ambri), Maija Otamo, Estelle Duvin (beide SCB) sowie Tatjana Onyshchenko (NHA) trugen sich in je einem Spiel als Doppeltorschützinnen in die Skorerliste ein. Apropos Skorerliste: Die Topskorer-Liste wird von gleich vier Schweizerinnen angeführt. Rahel Enzler (8 Tore, 12 Assists), Lara Stalder (7/13), Alina Marti (10/6) und Lena-Marie Lutz (7/7), notabene alles Nationalspielerinnen. In den nächsten sechs Positionen folgen sechs Ausländerinnen.
Ausländerinnen
Die Import-Spielerinnen sind in der Regel die Taktgeber eines erfolgreichen Teams, oder sollten es eigentlich sein. Ihre Aufgabe ist es, den Unterschied auszumachen. Das tun allerdings längst nicht alle der 28 Imports. Um es ein bisschen boshaft zu formulieren: Durchgefallen sind bei den Stürmerinnen bis anhin Langenthals Samantha Gius (1 Assist) und Berns Clara Rozier (1 Tor). An der Spitze stehen Ambris Fanny Rask mit 11 Punkten vor Teamkollegin Michaela Pejzlova und Berns back-to-back-MVP der letzten beiden Saisons, Estelle Duvin, mit je 10 Punkten. Die Topskorer-Liste der ausländischen Verteidigerinnen führt Zugs Annika Fazokas mit 9 Punkten (1 Tor, 8 Assists) an. Am andern Ende steht Neuenburgs Clara Piazzon, ihr ist bisher noch kein Punkt gelungen. Bisher kamen in der Women's League 151 Spielerinnen zum Einsatz, 46 von ihnen stehen noch ohne Skorerpunkt da.
Alina Marti …
… ist nach einem Qualifikationsviertel nicht nur die beste Torschützin der Liga, sondern auch eine der auffallendsten Akteurinnen. 10 Tore hat die 21-Jährige bereits auf ihrem Konto. Das sind bereits mehr als die Hälfte ihrer Tore in den vergangenen vier Saisons bei den ZSC Lions Frauen. Als beste Vorbereiterin hat sich nicht unerwartet Lara Stalder etabliert. Die beste Linie der Liga ist Zugs Paradeformation mit Rahel Enzler, Alina Marti und Lara Stalder, die für mehr als die Hälfte der Zuger Tore verantwortlich zeichnete (25 von 46).
Vater-Sohn-Duell
Noch nicht so richtig auf Touren gekommen ist Fribourg-Gottéron (mit Ex-SCB-Meistertrainer Thomas Zwahlen an der Bande) und auch der SC Bern (mit Meister- Assistenztrainer und Sohn Michael Zwahlen als Headcoach) ist noch nicht dort, wo man eigentlich von den Ansprüchen her sein müsste. Bei Gottéron zahlen der Verjüngungsprozess und die Verpflichtung eines Meistertrainers noch nicht. Gottéron ist das einzige Team, das bisher in neun Spielen nur eine einzige Torhüterin eingesetzt hat (siehe Goalies). Nach wie vor ist die Leistungs-Bandbreite bei den Freiburgerinnen breit abgesteckt, von sehr gut bis überraschend hilflos.
Goalies – Pfosi, Berger, Maurer
Wer ist zurzeit – statistisch gesehen – die beste Torhüterin der Liga? Ja, wer wohl? Mit einem Schnitt von 0,71 erhaltenen Toren in sieben Spielen glänzt Zugs Chiara Pfosi vom obersten Treppchen. Die 27-jährige Seeländerin wird einzig von ihrer letztjährigen Teamkollegin Eveliina Mäkinen bedrängt: Die Finnin in Diensten der ZSC Lions hat allerdings erst zwei Spiele bestritten und ist damit ausserhalb der gewerteten Goalies. Dabei hat sie zwei Shutouts erreicht. Nicht unerwartet steht ihre ZSC-Kollegin, die 19-jährige Alisha Berger, mit einem Schnitt von 1,6 Toren in fünf Spielen auf Rang 2. Nur den 6. Rang (Schnitt 2,46) belegt Gottérons 16-jährige Nummer 1, U18-Natihüterin Anne-Eugénie Gendre. Das Torhütertalent hat bisher alle neun Spiele bestritten (!) und die Frage sei erlaubt, wann ihr Headcoach Thomas Zwahlen mal eine Pause gönnt, da ja mit Selina Steiner (17, letzte Saison SWHL-B-Meisterin mit Partnerteam Zunzgen-Sissach) und Nolwen Boldini (19, aktuell bei den ZS-Ladies) zwei weitere Torhüterinnen zur Verfügung stehen (würden). Vielleicht erst, wenn eine Vierte kommt? Dem Hörensagen nach soll Dragon Thuns 18-jährige Amaya Valentina Iseli – zurzeit mit Gehirnerschütterung ausser Gefecht – zuoberst auf Zwahlens Einkaufszettel stehen.
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