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Swiss Women's Hockey

Fünf Verwaltungsräte der SC Langenthal AG – alle fünf ohne direkten Draht zum Fraueneishockey – entscheiden: Das Damen-Team (so heisst nun mal das Frauen-Team der Oberaargauerinnen offiziell) wird aufgelöst, Punkt, Schluss. Und die SIHF lässt am gleichen Tag verlauten, man bedaure den Entscheid, stehe aber mit allen aufstiegswilligen B-Teams in engem Kontakt, damit die PostFinance Women's League auch weiterhin mit acht Teams durchgeführt werden könne. Politisches Gefasel, typisch, ohne Tiefgang, nur damit der Sponsor beruhigt werden kann.

Die beschlossene Auflösung des Langenthaler PFWL-Teams ist eine Schande für das Schweizer Fraueneishockey allgemein und im speziellen für den SC Langenthal. Zum zweiten Mal in der Geschichte geht das Langenthaler Frauenteam entweder Konkurs (DHC Langenthal, 2013) oder wird aufgelöst. Sieben eigene Spielerinnen – darunter drei aktuelle U18-Nationalspielerinnen - und acht Ausländerinnen (darunter einige mit Schweizer Lizenz) stehen mit einem Schlag ohne Perspektive für die kommende Saison da. Die zehn Leihspielerinnen aus Bassersdorf und Rapperswil haben hingegen mit Sicherheit ihren Platz in ihrem angestammten Team. 

Die Gründe für die Auflösung? Finanzielle Engpässe und vor allem die Tatsache, dass die finanzkräftige Konkurrenz in der PFWL immer wieder die besten Spielerinnen abwerbe, genannt wird unter anderem der SC Bern. Nun, liebe Langenthaler VR-Mitglieder, das liegt in der Natur der Sache und ist auch im Männer-Eishockey nicht anders. Wer weiterkommen will, steigt auf. Die Finanzen, ja das kann und muss man stehen lassen, umso mehr als ja der Rückzug des Männer-Teams aus der Swiss League noch in bester Erinnerung ist.

Trotzdem: Wo sind die Nachfolgelösungen? Wurde überhaupt einmal mit andern, umliegenden Fraueneishockey-Organisationen über ein Zusammenspannen gesprochen? War ein freiwilliger Rückzug in die SWHL-B ein Thema? Wohl kaum, man wollte das "ungeliebte Kind" einfach loswerden. Punkt. Schluss. Gewährsleute sagen, die Nachricht über den Entscheid sei wie aus heiterem Himmel überbracht worden. Einfach so, ist ja nichts Schlimmeres passiert! Aber genau das ist eben passiert, man hat einem zwar nicht ganz konkurrenzfähigen, aber immer willigen Team quasi die Luft abgedreht.

Gäbe es denn Nachfolgelösungen? Wahrscheinlich schon, aber man hätte sie finden oder zumindest andiskutieren können/müssen, bevor man das Team per Medienmitteilung killt und daneben klar zu verstehen gibt, dass es für den Langenthaler Verwaltungsrat keine Nachfolgelösung gibt. Aber solche Lösungen wären – zumindest theoretisch - vorhanden. Denken wir mal laut nach über eine etwaige Integration des Frauenteams in die Hockey Country-Organisation, quasi als Aushängeschild für die Talente, die aus den Clubs Burgdorf, Brandis, Huskys und den SCL Young Tigers aktuell in der SWHL-C spielen. Die Hockey Country Girls sind ein Vorzeigeprojekt initiativer Macher, die das Frauenhockey nachhaltig fördern wollen. Vielleicht hätte in diesem Konstrukt auch ein Team in einer höheren Liga – quasi als Spitze der Ausbildungspyramide – Platz. „Nicht jedes Mädchen schafft direkt den Sprung in die höheren Ligen. Mit den Hockey Country Girls schaffen wir ein Umfeld, das motiviert, fördert und Perspektiven bietet“, erklärt Philipp Bohnenblust, Koordinator Hockey Country auf der Website der Hockey Country Girls. Definitiv keine Binsenwahrheit und eine Aussage, die dem Langenthaler Verwaltungsrat gut angestanden wäre.

Oder wäre sogar ein Wiederaufleben der Huttwil Falcons denkbar? Jenes Frauen-Teams, das 2009 mangels Eisaufbereitung im Sportzentrum Huttwil in die Organisation der Brandis Juniors wechselte? Die Langenthalerinnen spielen ja seit Jahren eh im Campus Perspektiven in Huttwil. Oder hat man auch einen freiwilligen Abstieg in die SWHL-B in Betracht gezogen? Wohl kaum. Es gibt Lösungen für die Langenthaler Frauen, das ist eine Tatsache. Der Weg zu einer für alle Parteien vernünftigen und nachhaltigen Lösung ist allerdings nicht gerade einfach und mit einem gehörigen Arbeitsaufwand und sehr viel Herzblut verbunden. Beides hat dem Langenthaler VR bei seinem Entscheid gefehlt, der Mut, einen Schritt vorwärtszugehen, das Problem anzupacken. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Väter der Frauenhockey-Bewegung in Langenthal die Kraft aufbringen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Zurück zum Eishockeyverband und seiner Medienmitteilung. "Swiss Ice Hockey steht in engem Austausch mit den aufstiegsbereiten Teams der SWHL-B, um sicherzustellen, dass die PFWL auch in der kommenden Saison mit acht Teams durchgeführt werden kann," steht da zu lesen. Wer auch nur ein paar Frauenhockey-Spiele der beiden obersten Ligen gesehen hat, der erkennt – ohne ein Fachmann zu sein – den eklatanten Leistungsunterschied zwischen PFWL und SWHL B. Der Cup-Achtelfinal zwischen Brandis, dem aktuellen B-Leader, und den Langenthaler Frauen, zurzeit Siebte der PFWL, liefert dazu ein aktuelles Resultat: 0:6 gewann Langenthal in Hasle-Rüegsau. Wer nun also unbedingt die PFWL um ein "aufstiegsbereites B-Team" aufstocken will, der verwässert die oberste Frauenliga noch mehr als es zurzeit mit dem Zweiklassensystem – oben Zug, Ambri, SC Bern, Fribourg-Gottéron, ZSC Lions und Davos, unten Langenthal und Neuenburg (Punktedifferenz zwischen den sechsten Rang und dem siebten/achten Platz 19 respektive 23 Punkte) bereits der Fall ist. Wer aufsteigen will/kann, der muss gewaltig investieren und bereit sein, ein konkurrenzfähiges Team zu stellen – nicht einfach ein Team, das den gerade freigewordenen A-Platz übernehmen will. Punkt. Schluss.

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