Die Vertragsverlängerungen waren weit mehr als Personalpolitik. Seit der Neuausrichtung im Jahr 2022, als Kent Hughes und Jeff Gorton das sportliche Steuer übernahmen, formt sich in Montreal eine homogene Gruppe aus jungen, entwicklungsfähigen Spielern, flankiert von einem Management, das Geduld mit strategischer Weitsicht kombiniert.
Planungssicherheit statt Salärmaximierung
Mit der langfristigen Verpflichtung von Lane Hutson (8 Jahre/70,8 Mio USD) haben die “Habs“ gleich wieder ein Signal gesetzt. Was beeindruckte: Hutson hat – ähnlich wie Connor McDavid in Edmonton – verzichtet, den Markt zu testen und seinen Wert zu maximieren. Stattdessen wählte er die Planungssicherheit und unterzeichnete einen Vertrag, der auch dem Team noch viel Spielraum offeriert, um in naher Zukunft die Salärobergrenze auszureizen. Der kreative Verteidiger mit den herausragenden technischen und läuferischen Skills ist in der Defensive der Schlüsselspieler der Zukunft, der in seiner Rookie-Saison neue Rekorde aufstellte - gekrönt von der Calder Trophy 2025. Hutson steht für den Typ Spieler, den die Canadiens fördern: technisch exzellent, taktisch flexibel und charakterlich gefestigt.
Gesunde Gehaltshierarchie und Luft nach oben
Und bereits in den letzten zwei Jahren hatte Montreal die Grundpfeiler dieses neuen Kapitels geschaffen mit Vertragsverlängerungen für Nick Suzuki (bis 2030, acht Jahre/63 Mio USD), der sportlich wie menschlich als Leitfigur fungiert. Auch Cole Caufield unterschrieb 2023 ebenfalls für 8 Jahre (62,8 Mio USD). Und Juraj Slafkovský verlängerte 2024 ebenso für acht Jahre und total 60,8 Millionen. Die Salärstruktur mit ähnlichen Beträgen und Vertragsdauer zeigen: In der Gehaltshierarchie achtet Montreal strikt darauf, dass kein individueller Vertrag die interne Balance gefährdet. Dieses Gleichgewicht schafft nicht nur Ruhe im Teamgefüge, sondern auch finanzielle Flexibilität für künftige Anpassungen.
Teamchemie und Identität
Diese Philosophie fügt sich nahtlos in den Kaderaufbau ein, den Ken Hughes und Jeff Gorton seit zweieinhalb Jahren verfolgen. Die Vertragsverlängerungen der beiden Architekten des Rebuilds sind demnach auch ein starkes strategisches Ausrufezeichen. Kent Hughes, der mit analytischem Weitblick und Fingerspitzengefühl agiert, und Jeff Gorton, der bereits bei den New York Rangers ein nachhaltiges Kaderkonzept umsetzte, bilden eine der besten Führungsachsen der Liga. Mit ihren neuen Verträgen (jeweils um fünf Jahre verlängert) sichern sich die Canadiens eine Konstanz in einer Phase, in der viele NHL-Franchises unter kurzfristigem Erfolgsdruck ihre strategische Linie verlieren. Bei den Canadiens de Montréal dagegen denkt man in Zyklen.
Und über allem steht ein Name, der diese Philosophie an der Bande verkörpert – Headcoach Martin St. Louis. Selten zuvor hat ein Coach bei der Saisoneröffnung im Centre Bell eine sogar noch längere und intensivere Ovation geniessen dürfen als die Publikumslieblinge auf dem Eis. Die Fans lieben ihn und er sagt auch ganz offen, dass er ihnen alle Liebe und das Vertrauen zurückgeben wolle. Seit St. Louis im Februar 2022 das Amt übernahm, hat sich die Kultur im Team fundamental verändert. Der ehemalige NHL-Superstar vermittelt den jungen Spielern nicht nur taktisches Wissen, sondern vor allem Verantwortung und Selbstbewusstsein. “Play free, play smart, play for each other“ – diese einfache Formel steht sinnbildlich für seine Pädagogik.
In Kombination mit der analytischen Herangehensweise von Kent Hughes und der Management-Erfahrung von Jeff Gorton entstand eine Führungsstruktur, die auf Vertrauen basiert. Drei Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Perspektiven, aber einem gemeinsamen Ziel: eine Mannschaft zu formen, die sich selbst weiterentwickelt, anstatt sich kurzfristig zu verbrauchen.
Viel Spielraum für weitere Massnahmen
Mittelfristig heisst dies: Ob mit oder ohne (sehr wahrscheinlichem) Cap-Anstieg bleibt genug Spielraum für weitere gute Akquisitionen und Vertragsverlängerungen von Spielern wie Kaiden Guhle, Mike Matheson oder Goalie Samuel Montembeault. Und so wird auch eine Identität geschaffen. Die Fans honorieren dies. Sie haben es verdient, denn sie haben nach der Finalteilnahme 2021 beim damaligen Rebuild-Plan 2022/23 rund um Chefcoach Martin St. Louis und dem Managerduo Hughes/Gorton mitgezogen.
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