Die San José Sharks müssen sich jetzt gewissermassen ihr Wappentier - die Haie - zum Vorbild nehmen. Diese besitzen nämlich ein sogenanntes Revolvergebiss: Sobald sie einen Zahn verlieren, kommt ein neuer hinterher und das ein Leben lang. Und den San Jose Sharks wurden in den letzten Monaten buchstäblich einige Zähne gezogen: Erik Karlsson und Timo Meier waren zwei wichtige Schneidezähne auf ihren Raubzügen nach Toren.
Ersetzt wurden diese Spieler nicht Eins-zu-Eins, aber einige scharfe Zähne sind dennoch neu nachgewachsen. Speziell Anthony Duclair, Fabian Zetterlund und Filip Zadina sowie die aus dem Karlsson-Multi-Team-Trade erworbenen Mikael Granlund und Mike Hoffman (zusammen mit Verteidiger Jan Rutta) können diesen Aderlass leicht abfedern und die Balance im Team etwas breiter machen.
Rein in eine weitere Übergangssaison
Und so kann mit gutem Gewissen in San José diese Spielzeit als klassische Übergangssaison geplant und abgebucht werden. Einige Veteranen und Teamstützen sind schliesslich noch im Kader: Tomas Hertl, Logan Couture, Luke Kunin, Alex Barabanov, Kevin Labanc und Nico Sturm zum Beispiel in der Offensive. In der Verteidigung sind Marc-Edouard Vlasic und Radim Simek die Eckpfeiler sowie auch die jungen Mario Ferraro und Matt Benning. Unterstützt werden sie neu von Jan Rutta.
Meier und Karlsson wurden nicht Eins-zu-Eins ersetzt
Ein "Blick" auf den Offensivkader verrät indes viel: Für Spektakel sorgen soll das erste Offensivtrio mit Thomas Hertl im Zentrum und den Flügeln Luke Kunin und Alexander Barabanov. Beide Flügelspieler haben Potenzial für eine weitere Leistungssteigerung im Vergleich zu Vorsaison. Bei den Sharks fällt auf, dass nach Timo Meiers Abgang die Offensivtrios im Bereich des Secondary Scorings neu geformt wurden. Gut besetzt sind die Centerpositionen mit Hertl, Couture, Granlund und Sturm. In der Defensive setzt man auch ohne Erik Karlsson auf Bewährtes. Man kann gespannt sein, was Jan Rutta an Stabilität bringen wird und wie Mario Ferraro und Matt Benning ihr Rendement steigern werden. Was jedoch fehlen wird, ist der ausgewiesene Scoring Touch eines Timo Meier und ein herausragender Offensivverteidiger und Powerplay-Blueliner wie Erik Karlsson.
Auf mittelfristiger Sicht noch nicht abzusehen ist, wie Timo Meier und Erik Karlsson dem Überzahlspiel der Sharks fehlen werden. Die Direktschüsse aus der Halbdistanz des Schweizers waren genauso eine Waffe wie die Distanzschüsse von der blauen Linie durch Erik Karlsson. Vielleicht aber können die ausgewiesenen PP-Verteidiger Jacob McDonald und Mario Ferraro als Blueliner in dieser Rolle überzeugen. Wie einige Teams werden auch die Sharks mit vier Stürmern ihr Powerplay aufziehen. Das bedeutet, dass ein schussstarker Stürmer an der blauen Linie stehen wird: Mike Hoffman und Kevin Labanc – beide bekannt für ihre Stärken als Blueliner im Überzahlspiel (speziell Hoffmann) – sind dafür vorgesehen.
Einige Fragezeichen, aber auch viele Gewissheiten
Ganz interessant wird zudem sein, wie sich das Goalieduo entwickelt. Beide Keeper haben sich in der NHL etabliert, aber keiner war bisher dauerhaft eine echte Nummer Eins. Die Übernahme von MacKenzie Blackwood im Rahmen eines Trades mit den New Jersey Devils bringt etwas mehr Tiefe. Kaapo Kahkonen kam im März 2022 aus Minnesota zu den Sharks. Vom sehr talentierten Finnen – immerhin jetzt 27 Jahre alt - wird nunmehr Konstanz erwartet und nichts weniger als eine Durchbruch-Saison.
Der Kader ist breit und mit interessanten weiteren Spielern besetzt. Leon Gawanke könnte sich bald im Roster durchsetzen. Und auch der erst 22-jährige Henry Thrun ist ein „High Potential Player“ und könnte zur Entdeckung der Saison bei den Sharks avancieren.
Herausforderungen für GM Mike Grier
Die Playoffs werden aber kaum ein realistisches Ziel sein in den kommenden zwei bis drei Jahren. Das Team sieht sich in seiner Division einer starken Konkurrenz ausgesetzt. Nun gilt es mit guten strategischen Schritten die Wettbewerbsfähigkeit in der NHL wieder zu installieren. Dieser Job ist in den Händen von Mike Grier – dem eigentlichen Königstransfer der letzten Saison. Er trat vor einem Jahr in grosse Fussstapfen, denn sein Vorgänger Doug Wilson hatte 19 Jahre die sportlichen Geschicke der San José Sharks geprägt. Mike Grier besitzt aber das Shark-Gen als ehemaliger Spieler und schrieb Geschichte als erster afroamerikanischer General Manager in der NHL. Und: Der Job scheint der Familie Grier wohl im Blut zu liegen, denn er ist nicht der erste General Manager in der eigenen Familie. Sein Bruder Chris Grier wirkt als GM in der National Football League (NFL) bei den Miami Dolphins. Dieses Jahr musste er beweisen, was er als GM kann und viele Herausforderungen meistern. Man kann gespannt sein, wie er diese aktuelle Situation meistern wird.
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