Am 18. Dezember 2024 wechselte Kakko im Tausch mit Abwehrspieler Will Borgen und je einem Draft-Pick 2025 in Runde 3 und 6 zu den Seattle Kraken – ein strategischer Neuanfang für Spieler und Klub zugleich. Mit einem neuen Dreijahresvertrag im Gesamtwert von USD 13,575 Mio. setzen die Kraken nun voll auf Kakko.
Kaapo Kakko wurde in New York bei den Blueshirts zunächst 2019 als Super-Draft-Pick gefeiert. Doch schon bald wurde klar: Der Finne brauchte noch etwas mehr Anlaufzeit, um in der NHL den Vorschusslorbeeren wirklich gerecht zu werden. Ähnlich wie auch Kirby Dach als Nummer-3-Pick und Jack Hughes als Nummer Eins overall. Von den Top-3-Draft-Picks 2019 hat eigentlich nur Jack Hughes die Erwartungen voll und ganz erfüllen können – aber auch er mit etwas Verzögerung aufgrund von Verletzungspech. Das Verletzungspech begleitete Kaapo Kakko immer wieder in seiner bisherigen NHL-Laufbahn. Er konnte über mehrere Jahre nie eine komplette Saison durchspielen. Die fehlende Spielpraxis, unterbrochene Entwicklungsphasen und wechselnde Rollen im Team bremsten seine Entfaltung als Offensivkraft. In Kombination mit teils defensiven Rollen – besonders unter Coach Gerard Gallant - war es für Kakko schwierig, Selbstvertrauen und Rhythmus aufzubauen. Lediglich in der Saison 2022/23 liess er über eine ganze Spielzeit durchblicken, warum er die Nummer 2 overall im Draftjahr 2019 war (40 Punkte - 18 Tore, 22 Assists). Seine Eishockeykarriere geriet danach ins Stocken.
„Reboot“ im Dezember 2024
Seit Dezember 2024 kann er nun einen Neustart anpeilen. Bei den Kraken erhielt Kakko seit seinem Trade deutlich mehr Eiszeit (von 13:17 Minuten bei New York auf 17:03 pro Spiel für Seattle) und wurde unmittelbar in den zwei Top-Trios und im Powerplay eingesetzt. Das Resultat: 10 Tore und 20 Assists in 49 Spielen, inklusive 44 Punkte über die gesamte Saison (14 Tore, 30 Assists). Das war gleichbedeutend mit einer persönlichen Bestmarke in seiner NHL-Karriere. Sein aktueller GM Jason Botterill: “Der Vertragsabschluss mit Kaapo Kakko war eine meiner absoluten Prioritäten. Er ist gross, passt zu unserer Spielphilosophie und hat genau die Spielmacher-Qualitäten, die wir brauchen.“
Deutliches Statement
Der neue Vertrag ist somit als ein deutliches Statement zu verstehen. Denn Seattle kann nun Kakkos Entwicklung steuern. Die Kraken müssen auf Konstanz und junge Spieler bauen und so stehen sie gemeinsam an einem Scheideweg. Das gilt auch für das neue Trainerteam unter Lane Lambert, das für frische Impulse sorgen möchte, aber auch auf Bewährtes setzen muss im sanften Rebuilding-Prozess. Kakko wird in der Offensive eine zentrale Rolle einnehmen, unterstützt von Matty Beniers, Jared McCann und weiteren etablierten Teamstützen. Es gilt, der Stagnation entgegenzuwirken. Die kommende Saison 2025/26 ist für Kakko und die Kraken wegweisend.
Kommt der Schritt vom Star zum Franchise-Superstar?
Während Kakko seine Rolle in der NHL noch festigen muss, hat Jack Hughes die Erwartungen erfüllt – zumindest phasenweise. Der First-Overall-Pick 2019 hatte aber wie erwähnt ebenfalls einen langsamen Start in seine NHL-Karriere. Seit der Saison 2022/23 hat er sich bei den New Jersey Devils als Franchise-Spieler etabliert und verzeichnete in dieser Spielzeit 99 Punkte in 78 Spielen – eine Hausnummer, die ihn ins erweiterte MVP-Rennen brachte. Allerdings war die Saison 2024/25 erneut durch Verletzungen unterbrochen. Hughes verpasste 21 Spiele mit Schulterproblemen, was sich auch auf die offensive Dynamik der Devils auswirkte. Dennoch kam er auf beeindruckende 66 Punkte (23 Tore, 43 Assists) in 61 Spielen. Für die Saison 2025/26 wird Hughes nun als eines der Gesichter der Franchise noch stärker in die Verantwortung genommen. Headcoach Coach Sheldon Keefe will Hughes mit gezieltem Load Management und einem optimierten Powerplay-System auf MVP-Niveau bringen. Für Jack Hughes bedeutet das: Er muss nicht nur brillieren, sondern führen – auf und neben dem Eis. Sein Anspruch: den Schritt vom Star zum Superstar zu machen – und gesund zu bleiben.
Kirby Dach: Die letzte Chance?
Kirby Dach hingegen steht vor einer vielleicht alles entscheidenden Saison. Der Kanadier wurde 2019 an 3. Position von den Chicago Blackhawks gezogen, doch der robuste Center konnte sich dort nie dauerhaft etablieren. Nach einem durchzogenen Start wechselte er 2022 zu den Montréal Canadiens, wo er mit Hoffnung empfangen wurde – als potenzieller Zwei-Weg-Center mit offensivem Upside. Dach zeigte in Montreal phasenweise seine Klasse, vor allem 2022/23 (38 Punkte in 58 Spielen), doch immer wieder warfen ihn schwere Verletzungen zurück – unter anderem eine schwere Knieverletzung zu Beginn der Saison 2023/24, die ihn für den Rest des Jahres aus dem Spiel nahm. Auch 2024/25 kam er nie richtig in Fahrt: Nur 18 Spiele, 5 Punkte – erneut wurde eine Rückkehr durch einen Handbruch verlangsamt. Für 2025/26 steht Dach unter Druck: Er geht in das vorletzte Jahr seines Vertrags (3,362 Mio. Cap Hit) – ohne konstanten Leistungsnachweis. Die Canadiens planen ihn als Center der zweiten Linie, geben ihm aber ein enges Zeitfenster: Bleibt Dach verletzungsfrei und kann seine physische Präsenz mit offensiver Produktivität verknüpfen, könnte er ein wertvoller Baustein für die Zukunft sein. Bleibt der Durchbruch aber erneut aus, droht ihm gar ein Buyout. Headcoach Martin St. Louis ist jedoch überzeugt: “Kirby hat alle Werkzeuge. Es geht nur darum, dass er sie gesund und konstant einsetzen kann.“
Top-Performer aus dem 2019er-Draft: Moritz Seider
Auch wenn Jack Hughes aktuell die auffälligste Karriere unter den Top 3 hingelegt hat, ist Moritz Seider der vielleicht beste Performer unter den Top Ten des 2019er-Drafts, wenn es um Konstanz, Impact und Entwicklung geht: Der deutsche Verteidiger wurde 2019 überraschend an Position 6 von den Detroit Red Wings gezogen und gilt heute als “Homerun“. Seider gewann 2022 die Calder Trophy als bester Rookie, etablierte sich rasch als Top-Pairing-Verteidiger und verpasste in vier NHL-Saisons kein einziges Spiel. Er überzeugt durch Leadership, Defensivstärke, Spielaufbau und hohe Spielintelligenz. 2024/25 stellte er mit 52 Punkten (8 Tore, 44 Assists) einen persönlichen Bestwert auf – und das bei durchschnittlich 24:06 Minuten Eiszeit pro Spiel. Für viele gilt Seider als der wertvollste Verteidiger aus seinem Draftjahr – und als bislang konstanter und komplettester Spieler unter den First-Round-Picks von 2019. Während Hughes der glamouröse Offensiv-Star ist, liefert Seider als Fundament einer aufstrebenden Red-Wings-Organisation unerschütterlich ab.
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