Die in Kanada ansässigen NHL-Teams sind in der Unterzahl. Besonders seit der ersten und zweiten grossen Liga-Expansion. Bis 1993 waren dennoch die kanadischen NHL-Mannschaften die Seriensieger. Seitdem jedoch haben Vancouver (1994), Edmonton, Calgary und Ottawa (alle von 2004 bis 2007 bei einem Lockdown Jahr 2005) sowie Montreal 2021 die Finals erreicht. Die Canucks, Oilers und Flames verloren ihre Finalserien auf dramatische und unglückliche Weise.
Innerkanadische Rivalitäten gelten nicht mehr
Was die Fans in Kanada jeweils ärgert: Die MVP in den US-Teams waren in der Regel selbst Kanadier. Und nach dem Overtime-Drama im Olympiafinal 2026 wurde die kanadische Volksseele und der Stolz erneut verletzt. Man wird also erneut in Kanada, trotz der stark geprägten innerkanadischen Fan-Rivalitäten, überall im Lande das noch im Playoff-Rennen verbliebene “True North“-Team unterstützen. Also auch selbst in Toronto und Ottawa und in den anderen Landesteilen. Jetzt spielen die zum Teil stark ausgelebten Rivalitäten eine untergeordnete Rolle. Dieses Fanverhalten – vor 1993 undenkbar - ist seit Mitte der 90er-Jahre nach den weiteren Liga-Expansionen typisch geworden. Kommt hinzu, dass die “Habs“ nicht nur ein Original-Six-Team sind, trotz der frankophonen Kultur dennoch weniger polarisieren als die Toronto Maple Leafs und deshalb landesweit wie auch in gewissen Staaten in den USA die meisten Fans auch ausserhalb der Provinz Québec mobilisiert. Ein weiterer Faktor liegt in der besonderen historischen Symbolik der Montréal Canadiens selbst. Kein anderes NHL-Team steht derart stark für die klassische Erzählung des kanadischen Eishockeys: 24 Stanley-Cup-Titel, Generationen von prägenden Figuren und eine institutionalisierte Verbindung zwischen Club, Stadt und nationaler Identität. Gerade in einer Phase, in der viele kanadische Franchises stärker von US-amerikanischen Marktlogiken geprägt sind. Dies erzeugt laut Analysen von Medien wie TSN und RDS eine projektive Wirkung. Schliesslich spielt auch der internationale "Blick" eine Rolle: Montréal ist das kanadische Team mit Strahlkraft in Europa. Ihr Erfolg verstärkt die internationale Wahrnehmung.
Montreal kurbelt die Wertschöpfung an
Und so laden auch die Medien diese Hoffnungen emotional auf in der Berichterstattung aber auch in den Werbetrailern der Sponsoren/Werbetreibenden. Die Medienhäuser hoffen ebenfalls auf einen langen Verbleib der “Habs“ in den Playoffs – wegen der Marketingmassnahmen, der Reichweite, der Atmosphäre und der Quoten. Dies gilt auch für die NHL. Laut Numeris stiegen in den letzten Jahren bei den Finalteilnahmen der Edmonton Oilers und auch durch die Teilnahmen der kanadischen Teams in den Playoffs die Wertschöpfungsketten exponentiell. So war es auch 2021 während Montreals Final-Run, trotz Covid und den einher gehenden Einschränkungen die TV-Ratings in Québec sowie im ganzen Land. Die Wirtschaftswirkung eines kanadischen Cup-Finales ist enorm: In Montreal rechnet man laut lokalen Medien mit einem Mehrwert von bis 12 Millionen CAD pro Heimspiel an direktem Umsatz und Wertschöpfung. Laut weiteren Analysen von Moneris und Retail Insider erzeugen Playoff-Erfolge kanadischer Teams nationale Konsumimpulse – insbesondere in Gastronomie, Detailhandel, Streaming, Werbung, Merchandising und Tourismus.
Besonders auffällig ist dabei die sogenannte Halo Economy: Selbst Regionen ohne direkt beteiligtes NHL-Team profitieren von der erhöhten Aufmerksamkeit und dem kollektiven Hockeyfieber. In Arena-nahen Zonen wurden Umsatzsteigerungen von über 200 Prozent gemessen. Bei Montréal ist der Effekt nochmals breiter. Montreal ist und bleibt der quotenstärksten und emotional am intensivsten aufgeladenen Medienmärkte der Liga.
Fazit: Ein Finale mit der Beteiligung der Canadiens wäre nicht nur ein sportliches Highlight. Es wäre ein Moment, der über den Sport hinausgeht und die kulturelle Identität des Landes berührt.
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