Bob Pulfords Karriere war geprägt von Konstanz, Klarheit und einer tiefen Loyalität zur Eishockey-Community. Mit seinem Tod im Alter von 89 Jahren verliert die NHL eine Persönlichkeit, deren Einfluss sich über mehrere Jahrzehnte und Rollen erstreckte – als Spieler, Trainer, Funktionär und Gestalter hinter den Kulissen.
Eine moralische Instanz
Pulford gehörte als Spieler zur goldenen Generation der Toronto Maple Leafs der 1960er-Jahre. Aber: Ein oft übersehener, aber zentraler Aspekt seines Wirkens war seine Rolle in den Anfangsjahren der Spielergewerkschaft. Als erster Präsident der NHL Players’ Association setzte sich Pulford für faire Rahmenbedingungen ein – sachlich, beharrlich, ohne Konfrontation um ihrer selbst willen. Auch hier blieb er seinem Stil treu: sachlich, aber wirksam und zielgerichtet. Die Aufnahme in die Hockey Hall of Fame war dementsprechend verdient. Bob Pulford steht für eine Generation, in der Haltung wichtiger war als Selbstdarstellung.
Keiner der "Losers since 67“
Als defensiv verantwortungsbewusster Stürmer war er kein Spektakelspieler, sondern ein Taktgeber – jemand, der die Spielsituationen kontrollierte, Räume schloss und Mitspieler besser machte. Die besten Defensivstürmer der 70er- bis 2000er-Jahre haben ihn oft als Vorbild bezeichnet.
Und: Er ist untrennbar mit der letzten Generation der Stanley-Cup-Sieger der Maple Leafs verbunden. Zwischen 1962 und 1967 gewann er mit Toronto vier Stanley Cups. Besonders der Titel von 1967, bis heute der letzte Meisterschaftserfolg der Leafs, ist natürlich unvergesslich mit seiner Generation verbunden. Heute werden die Leafs von Fans anderer Clubs ja zu oft als "Losers since 67“ bezeichnet und es gibt sogar Social-Media-Gruppen mit dieser Bezeichnung. Pulford war also einer dieser letzten Maple-Leafs-Helden des – zusammen mit den Canadiens de Montréal - grössten Clubs im Welt-Eishockey.
Einer der letzten Maple-Leafs-Helden
Pulfords Stärke als Spieler lag also im Zusammenspiel von Disziplin und Spielverständnis. Er wusste, wann Risiko angebracht war – und wann nicht. Diese Haltung prägte auch seine Zeit nach der aktiven Karriere. Als Trainer der Los Angeles Kings führte er ein junges Team zu sportlicher Stabilität und wurde dafür mit der Auszeichnung als Trainer des Jahres geehrt.
Noch nachhaltiger wirkte er jedoch in leitender Funktion bei den Chicago Blackhawks. Über Jahrzehnte hinweg war Pulford Teil der sportlichen Führung, übernahm Verantwortung in schwierigen Phasen und galt intern als moralischer Kompass der Organisation.
Er war kein Visionär im modischen Sinn, sondern ein Stratege mit langfristigem "Blick" – jemand, der Entscheidungen abwog und Verantwortung trug. Auch frühere Weggefährten beschrieben Pulford als ruhige Autorität. Ehemalige Spieler erinnerten sich an einen Vorgesetzten, der klare Erwartungen formulierte, Verantwortung einforderte, aber immer ansprechbar blieb. Entscheidungen wurden erklärt, nicht verordnet. Gerade in einer Branche, die oft von kurzfristigem Denken geprägt ist.
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