Torhüter der Montréal Canadiens zu sein, bedeutet, die Erwartungen eines sehr engagierten, fachkundigen und anspruchsvollen Publikums erfüllen zu müssen. Denn die Canadiens de Montréal sind in Québec weit mehr als ein Sportverein. Sie sind Teil der Identität einer ganzen Provinz.
Carey Price brachte diese besondere Realität einmal mit einem einzigen Satz auf den Punkt: Man könne in Montreal nicht einmal frühmorgens Brot kaufen, ohne erkannt zu werden. Die Aussage verbreitete sich viral in den kanadischen Medien, weil sie jeder Canadiens-Fan sofort verstand. In kaum einer anderen NHL-Stadt verschwimmen für einen NHL-Spieler die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Leben so sehr wie in Montreal. Für einen Torhüter, der in jedem Eishockey-Team ein Schlüsselspieler ist, gilt das erst recht.
2010 - der Wendepunkt in der Karriere
Price hielt diesem Dauerzustand über fünfzehn Jahre stand. Dabei hätte seine Geschichte auch ganz anders verlaufen können: Im Frühjahr 2010 war Montreal plötzlich im Jaroslav-Halak-Fieber. Mit spektakulären Playoff-Auftritten gegen Washington und Pittsburgh führte der Slowake die Canadiens bis in den Eastern-Conference-Final und löste eine Euphorie aus, die als «Le Printemps Halak» in die Vereinsgeschichte einging. Halak wurde zum Publikumsliebling. Viele erwarteten, dass die Canadiens ihn behalten und Price abgeben würden. Die Klubführung entschied aber anders. Halak wurde nach St. Louis transferiert, Price blieb. Heute gilt dieser Entscheid als einer der prägendsten Personalentscheide der Canadiens in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Aus dem jungen Torhüter, dessen Zukunft in Montreal infrage gestellt worden war, wurde in der Folgezeit der unumstrittene Star der Organisation.
Grosse Erfolge... nur einer fehlt im Palmarés
Dabei passt Carey Price eigentlich nicht in eine Organisation, die in den Medien und in der Öffentlichkeit eine Dauerpräsenz geniesst. Der nun bald 39-Jährige war immer ein introvertierter Mensch. Diese Ruhe wurde gelegentlich als Distanziertheit missverstanden, was seine Mitspieler aber immer verneinten. Tatsächlich stellte kaum jemand höhere Anforderungen an sich selbst als er. Sein Anspruch: «I believe I should stop all shots».
Aber auch bezüglich seines Palmarés ragte er heraus: Er gewann die Hart Trophy als wertvollster Spieler der NHL, die Vezina Trophy als bester Torhüter, den Ted Lindsay Award als MVP aus Sicht der Spieler, die Jennings Trophy, wurde Olympiasieger 2014 und World-Cup-Sieger und ist bis heute Rekordhalter der Canadiens mit 361 NHL-Siegen. Als Kanada in Sotschi Olympisches Gold gewann und während des gesamten Turniers lediglich drei Gegentreffer kassierte, war Price der heimliche Star des mit Weltstars gespickten Teams.
Das Jahr 2014 war ohnehin sein Jahr: Price spielte nach dem Olympia-Sieg überragende Playoffs und hatte Montreal bis in die Eastern-Conference-Finals geführt. Im ersten Spiel gegen die New York Rangers kollidierte Chris Kreider nach einem Breakaway mit Price. Dieser erlitt eine schwere Knieverletzung. Montreal verlor die Serie schliesslich in sechs Spielen. Auch 2021, als Montreal überraschend den Stanley-Cup-Final erreichte, war Price noch einmal der entscheidende Faktor. Fazit: Manche Spieler prägen eine Generation durch Titel. Andere durch ihre Bedeutung für eine Franchise.
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