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NHL Observer

Die NHL blickt auf eine der erfolgreichsten Spielzeiten ihrer Geschichte zurück. Nicht nur sportlich mit dramatischen Playoffs, einem hochklassigen 4 Nations Face-Off im Februar 2025 und einer erfolgreichen Etablierung eines neuen NHL-Marktes (Salt Lake City/Utah), auch wirtschaftlich durchbrach die Liga gleich mehrere Schallmauern.

Mit einem Rekordumsatz von rund 6,6 Milliarden US-Dollar stellt die abgelaufene Spielzeit einen neuen Meilenstein in der Geschichte der NHL dar. Getragen wurde dieser Erfolg von einer Vielzahl starker Indikatoren, allen voran die beeindruckende Fan-/Kundenbindung: Über 23 Millionen Tickets wurden in der Regular Season verkauft, die Stadien waren zu über 96 Prozent ausgelastet – ein Liga-Höchstwert.

Neue Bestmarken in der Vermarktung 

Auch medial setzte die NHL neue Standards. In den USA generierten die TV-Übertragungen – insbesondere auf den Partnerplattformen ESPN und Turner Sports – rund 1,04 Milliarden Dollar. Parallel dazu läuft in Kanada der langfristige TV-Deal mit Rogers Communications, welcher der Liga bis 2034 über 11 Milliarden kanadische Dollar einbringen wird – ein Eckpfeiler für Stabilität und Sichtbarkeit auf dem wichtigsten Hockey-Markt der Welt. Insgesamt erwirtschaftete die Liga rund 1,525 Milliarden US-Dollar allein mit Medienrechten. Damit zählt sie weltweit zu den Top-10 der wertvollsten Sportmarken und liegt bei den US-Sportgrossligen als viertgrösste Kraft nur noch knapp hinter der NBA. Vor einigen Jahren galt es noch als utopisch, ähnliche Vermarktungs-Benchmarks wie die NBA zu erreichen. Die Liga profitiert hierbei von zwei gleichrangigen Märkten: 96 Prozent der Einnahmen aus Medienrechten stammen aus nationalen Deals in den USA und Kanada. Mit einem neuen Medienvertrag über 8 Milliarden USD in Kanada bei einer Laufzeit bis 2034, laufenden Verhandlungen in den USA und zunehmenden regionalen Herausforderungen steht die NHL an einem strategischen Wendepunkt ihrer Medienpolitik. 

Auch der Bereich Sponsoring boomt. 1,53 Milliarden Dollar wurden über Liga- und Team-Partnerschaften eingenommen – ein Plus von fast neun Prozent im Vergleich zur Vorsaison. Vor allem Tech-, Wettanbieter- und Gesundheitsmarken investierten massiv in die emotionale Kraft des Eishockeys. In sozialen Medien steigerte die NHL ihren sogenannten Social Value auf über 512 Millionen Dollar – ein Indikator für die wirtschaftliche Wirkung digitaler Reichweite, viraler Inhalte und Community-Bindung. 

Steigerung des NHL-Markenwerts auch dank lokalen Wertschöpfungserfolgen

Auch lokale Umsatzsteigerung und Wertschöpfungssteigerung steuert zum Gesamterfolg der NHL bei. So war es beispielsweise ein Segen für die Liga, dass sowohl die Canadiens de Montréal wie auch die Toronto Maple Leafs als zwei der drei wertvollsten und reichsten Clubs der NHL in den Playoffs dabei waren. Laut Moneris, einem führenden kanadischen Zahlungsdienstleister, stiegen Ausgaben nahe dem Bell Centre in Montreal während der Playoffs um 100–150 Prozent – Bars, Restaurants und Einzelhandel profitierten deutlich. Auch in Toronto führten Playoff-Spiele zu signifikanten Umsatzschüben: Moneris meldete signifikante Umsatzsteigerungen während den ersten beiden Playoff-Runden in der Nähe der Scotiabank Arena sowie 16 Prozent Umsatzanstieg in Ontario und deren 10 Prozent in Toronto während den Playoffs. 

Teams wie die Canadiens und Maple Leafs fungieren so auch als Wirtschaftstreiber, denn die Playoff-Teilnahme einer Mannschaft fördert stark den Konsum und die Wertschöpfungskette und viele Fans feiern nicht nur ein Spiel, sondern einen Event. Auch Sponsoren und lokale Partner profitieren und verzeichnen oft dreistellige Prozentanstiege an Pre- und Post-Game-Abenden. Zudem ergibt sich ein langfristiger Markenwert, von welchem auch die NHL profitiert. 

Clevere Medienpolitik, starke Community-Arbeit, Fokus auf internationale Stars und digitale Expansion

Die Stanley-Cup-Finalserie selbst verzeichnete ebenfalls eine breite internationale Berichterstattung. Es war wie aus einem Lehrbuch des Sportmarketings. Die Finalserie zwischen Florida und Edmonton erzielte in Nordamerika Zuschauerzahlen von über 8,8 Millionen pro Spiel – das sind die höchsten Werte seit über einem Jahrzehnt. Besonders in Kanada verfolgte man diese Finalspiele mit einem emotionalen Zusatzaspekt. Die Zuschauerresonanz in Europa, vor allem in Finnland, Schweden und der Schweiz, stieg parallel dank gezielter Streaming-Kampagnen und des neuen internationalen Formats.

Die Saison 2024/25 hat eindrucksvoll bewiesen, dass die NHL wirtschaftlich nicht nur stabil, sondern visionär aufgestellt ist. Durch clevere Medienpolitik, starke Community-Arbeit, den Fokus auf internationale Stars und digitale Expansion sicherte sich die Liga eine Position als weltweit relevante Sportmarke – nicht nur im kanadisch-amerikanischen Kernmarkt.

Und ob man dies wahrhaben möchte oder nicht: Der bei den Fans nicht immer beliebte, aber bei den Club-Ownern sehr geschätzte Gary Bettman ist einer der Gründe für den wirtschaftlichen Höhenflug der NHL. Mehr dazu siehe in den folgenden Blogs: 

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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