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NHL Observer

Die erste Runde der NHL-Playoffs wirft jedes Jahr dieselbe grundlegende Frage auf: Wie kann es sein, dass von vier der sechs punktbesten Teams gleich zwei zwingend ausscheiden müssen in den Playoffs?

Über 82 Spiele hinweg bauen Teams ihre Playoff-Ausgangslage auf und erarbeiten sich eine Rangierung, die ihre Konstanz widerspiegeln soll. Doch sobald die Playoffs beginnen, wird dieser lange Prozess innerhalb weniger Tage relativiert – manchmal sogar völlig verzerrt.

Das aktuelle Playoff-Format sorgt dafür, dass bereits in der ersten Runde hochkarätige Duelle entstehen. Teams, die eine starke Saison gespielt haben, treffen früh auf Gegner, die praktisch genau so viele Punkte erspielt haben. Das hat vor allem damit zu tun, dass die erste Runde innerhalb der Divisions ausgespielt wird. Die erste Runde wird damit zu einer Art verstecktem Halbfinal, das den weiteren Verlauf der Playoffs massiv beeinflusst. Wer diese Hürde übersteht, hat einen der härtesten Gegner bereits aus dem Rennen bugsiert.

Zwei der sechs punktbesten Teams werden bereits ausscheiden (müssen)

2026 ist die Situation mit dieser Playoff-Formel ausgeprägter denn je: Dallas und Minnesota treffen in der Central Division aufeinander und Tampa Bay und Montreal in der Atlantic Division. So werden mindestens zwei der sechs punktbesten Teams der regulären Saison bereits in der ersten Runde ausscheiden. Wie kann so etwas als fair bezeichnet werden? Die Divisionsduelle und die damit zusätzlich geschaffene Rivalität innerhalb der Divisionen spielen eine überproportionale Rolle, wodurch sich Paarungen ergeben, die nicht unbedingt die tatsächliche Hierarchie der Liga widerspiegeln. Die Playoffs belohnen in diesem Moment vielmehr die kurzfristige Form und das Momentum.

War das alte Playoff-Format gerechter und somit auch besser?

Das klassische Playoff-Format, bei dem innerhalb jeder Conference der Erste auf den Achten, der Zweite auf den Siebten, der Dritte auf den Sechsten und der Vierte auf den Fünften traf, galt in der NHL bis einschliesslich der Saison 2012/13. Grundlage war dabei die Conference- Setzliste. Erst mit der Reform auf die Saison 2013/14 hin wurde dieses System abgeschafft. Seither richtet sich die Qualifikation nach den Divisionen und Wildcards, weshalb es kein reines 1-gegen-8-Schema innerhalb der Conference mehr gibt. Seither kommt es folglich regelmässig vor, dass sich bereits in der ersten Runde zwei sehr starke Teams gegenüberstehen, weil sie aus derselben Division stammen. Genau das war auch gewollt: Die Liga wollte gezielt mehr Rivalitäten innerhalb der Divisionen schaffen, die Reisedistanzen reduzieren und gleichzeitig für das Fernsehen attraktivere, emotional aufgeladene Serien generieren.

Man kann nun argumentieren, dass genau das den Reiz der Playoffs ausmacht: Unberechenbarkeit, Intensität, Emotion. Doch gleichzeitig stellt sich die Frage, ob ein System sinnvoll ist, das die Leistung einer gesamten Saison relativiert.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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