Im Sommer 2026 verfestigt sich ein klarer Trend, den man schon seit Jahren beobachten kann: Die Arbitration bleibt zwar ein Druckmittel der Spieler und ihrer Agenturen – tatsächlich durchgeführt wird sie jedoch immer seltener.
Insgesamt reichten in diesem Sommer 15 Spieler einen Antrag auf Salary Arbitration ein. Doch bereits vor Beginn der Anhörungen, die am 20. Juli 2026 starteten, wurde ein Grossteil dieser Fälle durch Vertragsverlängerungen gelöst. Die NHL erlebt damit eine Entwicklung, die sich bereits 2025 und die Jahre zuvor abgezeichnet hatte, als nahezu sämtliche angemeldeten Arbitration-Fälle noch vor dem eigentlichen Hearing beigelegt wurden.
Die Hearings – speziell die GM's wollen diese umgehen
Während einer Arbitration dürfen beide Parteien ausschliesslich Argumente vorbringen, welche ihre jeweilige Position stärken. Die Agentenseite unterstreicht den sportlichen Wert ihres Klienten anhand von Statistiken, Eiszeit, Rolle im Team und vergleichbaren Verträgen. Die Clubs wiederum müssen detailliert darlegen, weshalb der Spieler den geforderten Lohn eben gerade nicht verdient. Dabei werden Schwächen, Leistungsschwankungen, Verletzungen oder Defizite im Vergleich zu anderen Spielern ausführlich thematisiert.
Dieses Verhandlungsinstrument ist aber unbeliebt: General Manager sehen sich gezwungen, einen eigenen Leistungsträger schlechtzureden – oftmals einen Spieler, mit dem sie anschliessend über mehrere Jahre erfolgreich zusammenarbeiten möchten. NHL-Insider wie Darren Dreger oder Pierre LeBrun haben in den vergangenen Jahren mehrfach darauf hingewiesen, dass viele Clubs deshalb alles unternehmen, um eine Arbitration zu vermeiden. Das Verfahren kann das Vertrauensverhältnis nachhaltig belasten und sorgt nicht selten dafür, dass noch wenige Stunden vor dem Hearing intensiv weiterverhandelt wird.
Nicht die Kontrolle über den Verhandlungsprozess verlieren
Dennoch bleibt die Arbitration ein wirkungsvolles Druckmittel für Spieler und deren Agenten. Mit der Anmeldung wird ein verbindlicher Zeitplan ausgelöst. Beide Parteien wissen, dass sie die Kontrolle über das Resultat verlieren könnten, falls ein Schiedsrichter entscheiden muss. Dieser Zeitdruck erhöht die Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten erheblich.
So war es auch in diesem Sommer: Die New York Rangers verhinderten eine Arbitration mit Braden Schneider durch einen Einjahresvertrag unmittelbar vor dem Hearing. Auch die Philadelphia Flyers einigten sich rechtzeitig mit Jamie Drysdale auf einen Vierjahresvertrag und schlossen zuvor bereits mit Trevor Zegras eine langfristige Vereinbarung ab. Die Buffalo Sabres verlängerten vier Jahre mit Peyton Krebs, während auch Cole Perfetti, Connor McMichael, Kirby Dach, Nicholas Robertson und Xavier Bourgault ihre Arbitration-Fälle vor der Anhörung bereinigten. Auch Jason Robertson und die Dallas Stars konnten sich langem Hin und Her schliesslich einigen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind aber noch nicht alle Verfahren abgeschlossen.
Verhandlungsinstrument statt Konfliktlösung
Die Entwicklung zeigt deutlich, wie sich die Rolle der Salary Arbitration verändert hat. Sie dient heute weniger als eigentliche Konfliktlösung, sondern vielmehr als wirksames Verhandlungsinstrument. Die Möglichkeit eines Schiedsspruchs schafft den nötigen Druck, um beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückzubringen. Für Spieler bedeutet dies Planungssicherheit, für die Clubs den Erhalt einer intakten Beziehung zu wichtigen Leistungsträgern. Gerade deshalb gilt in der heutigen NHL häufig: Die erfolgreichste Arbitration ist jene, die niemals stattfinden muss.
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