Robert William – genannt Bob – Goodenow hinterlässt ein Vermächtnis, wie sich die arbeitsrechtliche Stellung der Spieler in der NHL entwickelt hat in der Struktur und Haltung der National Hockey League. Vor der Ära Goodenow war die Stellung der Spieler gegenüber Liga und Eigentümern in einem Ungleichgewicht. Als Executive Director der NHL Players’ Association (NHLPA) von 1992 bis 2005 prägte Goodenow eine Ära der härtesten Arbeitskämpfe, aber auch der Fortschritte – rechtlicher, wirtschaftlicher und kultureller Natur.
Das Duell zweier Verhandlungsikonen
Seine Amtszeit begann 1992 gleich mit einem Knall in Form eines zehntägigen Streiks – und das nur wenige Wochen vor den Playoffs. Die Botschaft war ein klares Signal: Die Spieler würden sich nicht weiter mit den etablierten Rahmenbedingungen abfinden. Es begann eine Zeit, in welcher sich mit Bob Goodenow und NHL-Comissioner und Vertreter der Clubeigentümer Gary Betmann zwei Alpahtiere in harten Verhandlungen gegenüberstanden. Im Herbst 1994 folgte der Lockout und in den Jahren danach weitere Verhandlungen, die den Tarifvertrag (Collective Bargaining Agreement, CBA) erneuerten und grundlegende Rechte der Spieler sicherten - unter anderem in der Free Agency, bei Pensionsansprüchen und Lizenzrechten. Der wohl grösste Einschnitt war der Lockout der Saison 2004/05: Goodenow war während jener Verhandlungen federführend darin, dass die Saison vollständig ausfiel. In einer sich wandelnden Liga mit neuen medialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wollten die Spieler definitiv am NHL-Erfolgskuchen teilhaben.
Errungenschaften und Kontroversen
Doch es gab auch eine kontroverse Haltung gegenüber Goodenows Verhandlungstaktik: Kritiker warfen ihm vor, mitunter zu viel zu verlangen und die Liga wirtschaftlich unnötig zu belasten. Der Lockout 2004/05 schadete kurzfristig dem Fan-Vertrauen ebenso wie dem Liga-Image. Besonders in Märkten, in denen das Branding der NHL und deren Teams ohnehin schon zu wünschen übrigliess. Dennoch: Viele der heute selbstverständlichen Regelungen im CBA, etwa rund um Sicherheit, Gesundheitsprogramme, Anti-Doping und Verhalten ausserhalb der Eisfläche, tragen Goodenows Handschrift. Unter seiner Führung wuchs das Mitarbeiterkorps der NHLPA und verstärkte die institutionelle Professionalität und Handlungsfähigkeit der Gewerkschaft.
Nachhaltiger Einfluss auf das Olympische Eishockeyturnier
Goodenows Einfluss beeinflusste schliesslich auch, dass NHL-Spieler erstmals bei Olympischen Spielen teilnahmen (Nagano 1998) und dass die Liga und ihre Spieler gemeinsame Events wie den World Cup of Hockey etablierten. Damit trug er zur Internationalisierung der NHL bei. Bob Goodenow prägte also eine Generation von Spielern und Führungspersonen. Er machte klar: NHL-Spieler sind nicht nur Sportler, sondern Akteure mit Rechten, mit Stimme, mit Partizipation – und mit Verantwortung für die Zukunft der Liga selbst. Seine Ära war rau und konfliktbeladen, aber sie legte viele Grundlagen, auf denen bis heute aufgebaut wird. Für viele war er nicht nur Gewerkschaftschef – er war Fürsprecher einer Spielergeneration, die unbequem war und wohl auch sein musste.
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