Wenn im Oktober jeweils die NHL-Saison startet, richtet sich der Fokus der jeweiligen Fangemeinden fast reflexhaft auf die Home Opener. Für Mannschaften, Management und Fans hat der erste Heimauftritt eine Symbolkraft: Ein Heimsieg am ersten Spieltag setzt ein Ausrufezeichen. Er erzeugt Aufmerksamkeit und unterstreicht Ambitionen. Dann ist der Aspekt des emotionalen Momentums und der Identifikationskraft nicht zu unterschätzen. Die Opening Night geniesst zudem eine erhöhte mediale Aufmerksamkeit im Vergleich zu anderen Heimspielen, wodurch die Bedeutung eines positiven Ergebnisses über das sportliche hinausgeht. Man spricht hier auch im Fachjargon von der positiven Customer Journey. Und schliesslich geht es auch um die interne Psychodynamik: Spieler, Trainer, Betreuer und Staff erleben direkt die Dynamik des Zusammenwirkens unter Druck — das ist ein erster Gradmesser für Charakter und Kohäsion.
Erwartungsdruck kann euphorisieren, aber auch das Gegenteil...
Die Saisonstart-Party in der heimischen Arena wird aber auch oft überbewertet und birgt Herausforderungen. Gerade Heimteams verspüren den Erwartungsdruck. Rhythmus und Routinen sind zudem noch nicht etabliert. Das gilt auch bei der Effizienz der Special Teams. Auswärtsteams dürfen mit klareren Routinen, weniger Ablenkung und starkem Fokus in den ersten Spielen auftreten. Es geht also auch um die Erwartungsökonomie und Energie-Resonanz. Die Pre-Event-Fragmentierung beim Heimteam trifft auf ein einen simplen, hockeyzentrierten Ablauf beim Gastteam.
Trend bei knapp 50 Prozent Heimsiege
Und wie war es für die Teams, die bisher in der Saison 2025/26 ihren Season Opener feierten? Seit dem Saisonstart fällt die Heimsieg-Quote leicht unter 50 Prozent. Am 7. Oktober gewann nur Florida zuhause gegen Chicago (3:2), während die New York Rangers und Los Angeles Kings ihre Heimspiele gegen Pittsburgh beziehungsweise Colorado Avalanche verloren. Tags darauf setzte Toronto den Gegenakzent (5:2 gegen Montreal), doch Washington verlor daheim gegen Boston und Edmonton unterlag im “Battle of Alberta“ im Shootout. In den folgenden Tagen verlor Calgary die eigene Home-Opener-Party gegen St. Louis (2:4) und die New York Islanders unterlagen den Capitals (2:4). Diese Einzelergebnisse illustrieren die Tendenz einer nur marginalen bis fehlenden Heim-Überlegenheit zum Saisonauftakt.
Wir haben die Season-Opener-Heimsieg-Quoten aus den ersten drei Spieltagen der letzten fünf Jahre analysiert. Der Trend ist deutlich: Bei 49 ausgewerteten Opening-Nights bei Saisonstart gab es gerade mal 22 Siege für das Heimteam. Das ist eine Quote von 44,9 Prozent. Dabei gab es zwei Ausreisser nach oben beziehungsweise nach unten: 2024/25 waren gar nur 30 Prozent bei ihren Saisonstarts vor eigenem Publikum siegreich – ein Jahr zuvor aber immerhin noch 55 Prozent.
Gerne auch mit einem Roadtrip starten
Einige NHL-Profis fühlen sich demnach also auch nicht ganz unwohl, wenn sie mit einem Roadtrip in die Saison starten. So sagten einige Montréal-Canadiens-Spieler nach drei Auswärtsspielen zum Auftakt, dass sie dies sogar geniessen. Man könne bereits als Team zusammenwachsen und erste Siege einfahren, um dann mit breiter Brust sich den erwartungsfrohen Fans beim eigenen Season Opener zuhause zu präsentieren. Dieser Plan ist gut aufgegangen, hatten die “Habs“ doch gleich zwei von drei Teams (Detroit und Chicago) den Saisonstart zumindest sportlich vermasselt.
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