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NHL Observer

Die Edmonton Oilers standen nach 2024 auch 2025 wieder kurz davor, den 32 Jahre andauernden Stanley-Cup-Fluch kanadischer Teams zu beenden. Doch am Ende jubelten wieder die anderen – und diesmal schmerzt das in Kanada doppelt. Denn die Oilers galten als das „Team Canada“ schlechthin mit 17 Landsleuten im Kader. Es ist der NHL-Kader mit den meisten Kanadiern. Und prädestiniert, um den Stanley-Cup-Fluch zu besiegen. 

Derzeit sind rund 40 Prozent aller NHL-Spieler Kanadier. Vor einigen Jahren waren es noch deren 60 Prozent. Vor der ersten grossen Expansion sogar fast 80 Prozent. Man sieht, dass der Anteil der Kanadier in der NHL aufgrund der Globalisierung der Liga abnimmt. Aber in vielen Kadern der Stanley-Cup-Siegerteams spielen die Kanadier noch immer die erste Rolle. Eine Reise in die nähere Vergangenheit zeigt deutlich, wie gross der Anteil der Kanadier jeweils bei den Stanley-Cup-Siegen war. Besonders 2019 war es auffällig: 19 Kanadier standen im 22-Spieler-Playoff-Kader der St. Louis Blues – ein Anteil von ca. 86 Prozent. Und der Gewinner der Conn-Smythe-Trophy war damals, wie eigentlich meistens in den letzten 20 Jahren, auch ein Kanadier, nämlich Ryan O'Reilly. Auch die Vegas Golden Knights hatten bei ihrem Stanley-Cup-Erfolg über 50 Prozent Kanadier im Team und Jonathan Marchessault wurde Playoff-MVP. Ähnlich die Colorado Avalanche 2022 mit zirka 50 Prozent Kanadier-Anteil im Kader und den Kanadier Cale Makar als MVP. Die Liste kann endlos weitergeführt werden.  

Die 17 Kanadier waren „on a mission“

Und die Ausgangslage 2024 und 2025 war ebenfalls vergleichbar: Die 17 Kanadier im Kader der Edmonton Oilers 2025 machten rund 73,9 Prozent des gesamten Teams aus. Das ist ein aussergewöhnlich hoher Anteil – vor allem im Vergleich zu anderen NHL-Teams, die oft internationaler aufgestellt sind, so auch die Florida Panthers (acht Kanadier – unter ihnen Brad Marchand und Playoff-MVP Sam Bennett). 

Und so fieberte man in Kanada nach dem Motto „Bring the Cup home, Oilers“ nicht nur wegen der Team-Location mit, sondern auch weil die Identifikation sehr viel stärker war denn je. Mit den Edmonton Oilers 2025 stand nicht nur ein hochkarätiger, tief besetzter Kader mit vielen kanadischen (Schlüssel-)Spielern zur Verfügung: „Dieses Team atmet kanadisches Hockey“, schrieb The Athletic vor der Finalserie. Die Hoffnung war greifbar. Edmonton – die Wiege von Gretzkys Dynastie – träumte vom Comeback auf dem Cup-Thron.

Bennett und Marchand gegen die Oilers – was für eine Ironie…

Doch es kam anders. Die Florida Panthers – ein „Retortenteam“ gewissermassen – holten sich den Cup. Und wer waren die dominanten Figuren in dieser Finalserie? Ironischerweise zwei Kanadier: Sam Bennett und Brad Marchand. „Sie sind zwar keine Verräter, aber es fühlt sich an wie ein Schlag in die Magengrube“, kommentierte TSN-Analyst Ray Ferraro. So ist aber das Business. Für viele Fans im Kernland des Eishockeys fühlt es sich dennoch jedes Jahr wie eine Niederlage der Heimat an. Da trösten auch keine Olympischen Goldmedaillen, WM-Titel oder Siege gegen den Erzrivalen in Prestige-Turnieren wie zuletzt beim 4 Nations Face-Off 2025. 

Letzter kanadischer Stanley-Cup-Erfolg mit über 90 Prozent Kanadiern

Ein interessantes Fun Fact zeigt deutlich, wie sich das NHL-Business seit den letzten Expansionen entwickelt hat: Als die Montréal Canadiens 1993 als letztes Team aus Kanada den Stanley Cup holten, waren nahezu 90 Prozent in diesem Team Kanadier und unter diesen sogar 13 Spieler aus der Provinz Québec. Also waren an die 60 Prozent des ganzen Teams sogar echte Québécois. Das macht den 1993er-Kader der „Habs“ nicht nur aus sportlicher Sicht legendär, sondern auch zu einem der kanadischsten Siegerteams in der NHL-Geschichte der Neuzeit – und unterstreicht seine nationale Identität bis in die letzte Linie.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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