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Bull-etin Zug

Der EV Zug kommt auch nach dem Trainerwechsel auf sportlicher Ebene nicht zur Ruhe. Nach zehn Niederlagen in den ersten 21 Pflichtspielen steht der neue Headcoach Michael Liniger bereits in der Kritik, welche nach den letzten Spielen und teilweise uninspiriert wirkenden Auftritten zunehmend wächst. Trotz sportlich schwieriger Situation verdient der neue Headcoach mehr Geduld und Kredit. 

Michael Liniger erlebte einen schwierigen Start als Headcoach beim EV Zug.

So hatte man sich das bestimmt nicht vorgestellt, als der EV Zug am 28. August mit dem ersten Pflichtspiel unter Michael Liniger in die neue Saison startete. Die Zuger starteten erfolgreich in die Liniger-Ära und gewannen fünf der ersten sechs Pflichtspiele. Der neue Headcoach an der Zuger Bande startete engagiert in seine neue Aufgabe und wirkte überzeugt, seine Mannschaft auf die Erfolgsspur zurückführen zu können. Dazu sorgten die Transfers von Dominik Kubalik und Tomas Tatar für viel Optimismus im Vereinsumfeld, dass dies tatsächlich gelingen könnte.

Knapp sieben Wochen später ist von dieser Euphorie wenig übriggeblieben. Das erste Saisonziel (Erreichen der CHL-Playoffs) hat der EVZ zwar trotz zweier Niederlagen zum Ende der Ligaphase erreicht, in der Liga gerät die Mannschaft aber zunehmend unter Druck. Nach 15 Spielen liegen die Zuger mit 25 Punkten auf dem 6. Platz – der Rückstand auf Leader Davos beträgt bereits beachtliche 19 Punkte.

Der Totomat lügt nicht

Der grosse Rückstand auf die Tabellenspitze kaschiert aber, wie nahe beieinander der Rest der Tabelle ist - die Differenz zwischen den Plätzen 3 und 7 beträgt beispielsweise nur gerade sechs Punkte. Nun könnte man argumentieren, dass die Zuger derzeit nicht ihren Ansprüchen gerecht werden. Erst recht, weil man vor dem Erfolg im Z-Duell – inklusive CHL-Spielen – vier Mal in Folge verlor und zwei Mal gar ohne eigenen Torerfolg blieb.

Die Tabelle bestätigt zwar diese Einschätzung, aber sie greift zu kurz. Dass der EVZ derzeit nicht überzeugen kann, liegt an mehrere Faktoren. Besonders die Verletzungsprobleme machen dem Team schon seit Saisonbeginn wieder zu schaffen.

Der EV Zug und sein unfassbares Verletzungspech

Verletzungsprobleme haben auch andere Teams und dies alleine ist keine Ausrede. Aber die Regelmässigkeit, in der das Team von Michael Liniger von verletzungsbedingten Ausfällen gebeutelt wird, ist fast schon abstrus. Eine Chronik:

  • 7. September: Das Unheil beginnt schon vor Saisonbeginn. Im CHL-Heimspiel gegen Belfast – gleichbedeutend mit dem Abschluss der Saisonvorbereitung – verletzten sich mit Elia Riva und Dominik Schlumpf gleich zwei Verteidiger. Schnell ist klar, dass beide Spieler wochenlang pausieren müssen.
    Comeback-Zeitpunkt: ungewiss

  • 9. September: Abwehrpatron Lukas Bengtsson wird beim Saisonauftakt gegen Bern von einem Schuss am Fuss getroffen. Zunächst hofft man auf eine kurze Pause, doch nach einige Tagen folgt die Diagnose: Fussbruch! Sein mehrwöchiger Ausfall zwingt Sportchef Reto Kläy zur Reaktion und der temporären Verpflichtung von Jesse Graham.
    Comeback-Zeitpunkt: wohl erst nach der Nationalmannschaftspause Mitte November

  • 23. September: Erneut erwischt es einen Verteidiger – dieses Mal Rückkehrer Raphael Diaz. Der Routinier, welcher zu Saisonbeginn mit guten Leistungen überzeugen konnte, fällt während des hitzigen Duells gegen den HC Davos verletzt aus. Was genau die Ursache dafür ist, bleibt unklar. Der EV Zug spricht im Nachgang von einer Oberkörperverletzung, in den Medien ist von einem Schlag aufs Handgelenk die Rede. Obwohl man zunächst von einer kurzen Pause ausgeht, ist Diaz bis heute nicht zurückgekehrt.
    Comeback-Zeitpunkt: ungewiss

  • 30. September: Das Verletzungspech erreicht nun auch die Youngsters im Zuger Kader, wobei der EVZ den Ausfall von Robin Antenen nie offiziell kommuniziert. Antenen wird beim Auswärtsspiel in Biel am 30. September erstmals als verletzt im Spielbericht aufgeführt. Seinen letzten Einsatz bestritt er am 28. September bei der U21. Gemäss Medical Report handelt es sich um eine Unterkörperverletzung, Status week-to-week.
    Comeback-Zeitpunkt: ungewiss

  • 2. Oktober: Der EVZ verkündet den Ausfall von Daniel Vozenilek. Wie Bengtsson hat auch er sich einen Fussbruch zugezogen, Ausfalldauer sechs bis acht Monaten. Damit stehen dem Coaching Staff noch sechs gesunde Imports zur Verfügung.
    Comeback-Zeitpunkt: ca. Ende November

  • 10. Oktober: Der EVZ kehrt nach dem Auswärtsspiel bei Lukko Rauma mit einer Niederlage und einem weiteren Ausfall zurück – wobei dies nur eine Vermutung ist. Auch bei Sven Leuenberger wird der Ausfall nicht offiziell kommuniziert, denn auch hier soll es sich nicht um einen längeren Ausfall handeln. Der Center spielte letztmals beim CHL-Auswärtsspiel in Finnland und hat sich gemäss Medical Report eine Unterkörperverletzung zugezogen, Status week-to-week.
    Comeback-Zeitpunkt: ungewiss

  • 10. Oktober: Ähnlich wie bei Antenen ist es auch beim aufstrebenden Dorian Moret. Erst nach einer Woche Absenz taucht sein Name im Medical Report auf: Unterkörperverletzung und Status week-to-week. Spannend in diesem Zusammenhang ist, dass die Zeitung von rund zwei Monaten Pause spricht.
    Comeback-Zeitpunkt: ungewiss

Er fehlt an allen Ecken und Enden - der schwedische Alleskönner Lukas Bengtsson.
Foto: dieBildmanufaktur.ch

Wie die Verletzungen das Zuger Spiel beeinflussen

Die vielen Verletzungen sorgen dafür, dass Liniger gezwungenermassen immer wieder die Linien umstellen muss. Vor allem die defensiven Ausfälle beeinflussen das Zuger Spiel massiv, da mit Raphael Diaz, Elia Riva und Lukas Bengtsson gleich drei Verteidiger mit einer Stärke für Spieleröffnung ausfallen. Dazu fehlt mit Dominik Schlumpf der Zuger Boxplay-Spezialist. Damit fehlen derzeit nicht nur vier von sieben Stammverteidigern, sondern auch der Abwehrdirigent sowie zwei der drei besten Verteidiger mit Schweizer Pass. In der Zuger Defensive fehlt es an Spielgestaltern, welche etwas mit der Scheibe anfangen können – sei es eine saubere Spieleröffnung oder die nötige Unterstützung der Offensive. In dieser Hinsicht kommt im Moment aufgrund gegebener Umstände zu wenig. Möglich, dass Liniger auch deshalb zuletzt Sven Senteler als Verteidiger nominierte.  

Die logische Konsequenz daraus ist, dass auch die Offensive darunter leidet. Besonders Spieler wie Gregory Hofmann, Dominik Kubalik oder Fabrice Herzog profitieren mit ihrer Spielweise davon, wenn sie von Verteidigern in Szene gesetzt werden können. Wobei hier ein weiteres Problem hinzu kommt – die formschwachen Schweizer Stürmer. Abgesehen von Gregory Hofmann kommt besonders von den Schweizer Stürmern, welche für Tore sorgen sollen, über weite Strecken viel zu wenig. Mike Künzle und Fabrice Herzog kämpfen mit sich selbst, Lino Martschini spielt zu fehleranfällig und Sven Senteler kämpft viel zu oft glücklos.

Dass Verletzungsprobleme in der Defensive und formschwache Stürmer keine gute Kombination darstellen, ist selbsterklärend.

Geduld ist gefragt

Unter dem Strich gibt es im Moment viele Faktoren, welche dem Zuger Team zu schaffen machen und welche Liniger mit seiner Arbeit nur eingeschränkt beeinflussen kann. Dass der gebürtige Emmentaler das Potenzial besitzt, um den EV Zug erfolgreich zu führen, ist unbestritten. Liniger macht nicht immer alles richtig, was in der Natur der Sache liegt. Da es sein erster Job als Headcoach in dieser Liga ist, sollte man ihm dies bis zu einem gewissen Grad auch zugestehen können. Ob er sein Potenzial umsetzen kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Erst, wenn sich das Zuger Lazarett nach und nach lichtet, ist eine realistische Beurteilung seiner Arbeit möglich. Es braucht im Moment viel Geduld von allen, aber bessere Zeiten werden kommen.

 

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