Die aktuelle Momentaufnahme ist ernüchternd: 29 Spiele, 47 Punkte – 8. Platz. Die Tabelle ist zwar immer noch nah beisammen, aber da hatte man sich aus Zuger Sicht definitiv mehr erhofft. Aufgrund des grossen Verletzungspechs zu Saisonbeginn ist die aktuelle Situation jedoch bis zu einem gewissen Grad erklärbar. Viel ernüchternder ist aber, dass trotz den vielen Ausfällen deutlich mehr möglich wäre als die aktuelle Tabellenplatzierung. Es ist vor allem die Art und Weise, welche im Vereinsumfeld vielen sauer aufstösst.
Pomadige Auftritte verärgern Fans
Von aussen betrachtet wirken die Auftritte des EV Zug in der laufenden Saison zu oft pomadig und man wird den Eindruck nicht los, dass es der Mannschaft an Leidenschaft fehlt. Gerade in schwierigen Spielen macht es teilweise den Eindruck, dass sich die Mannschaft ihrem Schicksal fügt statt dagegen anzukämpfen. Die pomadigen Auftritte in Kombination mit dem Spielsystem, welches zu selten attraktives Eishockey hervorbringt, lassen den Unmut in Fankreise je länger je grösser werden. Selbst bei Siegen schafft es die Mannschaft selten, die Fans vom Hocker zu reissen, weshalb auch nach guten Spielen wenig Euphorie spürbar ist. Ob es unter den gegebenen Umständen fair ist, Linigers Arbeit und seine Spielweise jetzt schon abschliessend zu bewerten? Von aussen betrachtet eine heikle Frage, jedoch gilt es unabhängig davon festzuhalten: Einige Baustellen - wie zum Beispiel die Konstanz, das schwächelnde Boxplay oder die Probleme im Spielaufbau - sind trotz Trainerwechsel geblieben.
Formschwache Schlüsselspieler
Für die Auftritte der Mannschaft ist der Coaching Staff zuständig. Andererseits ist Headcoach Michael Liniger im Moment keinesfalls zu beneiden. Neben nach wie vor einigen Absenzen (Tatar, Diaz, Eggenberger, Guerra, Moret) muss Liniger versuchen, mehrere formschwache Schlüsselspieler wieder in die Spur zu bringen. Ein Problem, welches den EV Zug schon seit mehreren Saisons begleitet. Liniger muss gleich mehrere Baustellen bearbeiten.
- Daniel Vozenilek (29): Der Saisonstart war verheissungsvoll, bis ihn Anfang Oktober ein gebrochener Fuss aus der Bahn warf. Seit Mitte November ist der Tscheche zurück, ist aber seither kaum ein Faktor – obwohl man ihm definitiv nicht vorwerfen kann, sich nicht zu bemühen. Steuerte in den letzten zehn Spielen nur drei Skorerpunkte bei – zu wenig für einen Spieler seines Kalibers. Es scheint, es gäbe es momentan keine passende Linie/Rolle für ihn. Nach der Tatar-Rückkehr wird er wohl zur berüchtigten Wolldecke greifen müssen.
- Jan Kovar (35): Dass Captain Kovy nicht mehr derselbe Dominator ist wie noch bei den Meistertiteln, versteht sich von selbst. Obwohl auch er ausser Form wirkt, steuerte er in den letzten zehn Spielen immerhin sechs Torvorlagen bei. Das Problem bei ihm: Die Linienzusammenstellung. Seit dem Tatar-Ausfall kommen sowohl er als auch sein Linienpartner Dominik Kubalik aus dem Spiel heraus weniger gut zur Geltung. Dass Kovy spielintelligente Linienpartner braucht, ist kein Geheimnis.
- Mike Künzle (31): Den Flügelstürmer hier herauszupicken, mag harsch erscheinen. Immerhin spielt er in der derzeit besten Zuger Linie (Hofmann/Wingerli/Künzle) und auch seine Skorerwerte sind für seine Verhältnisse in Ordnung. Das Problem bei ihm sind die grossen Leistungsschwankungen, das stetige Auf und Ab setzt sich auch nach der Vertragsverlängerung fort. Ausserdem muss man seine Statistiken auch etwas einordnen: Fünf (!) seiner zwölf Skorerpunkte in der Liga stammen aus dem Spiel gegen Ajoie Ende Oktober, als er einen Hattrick erzielte. Nimmt man dieses Spiel weg, ist die Statistik wesentlich ernüchternder: 21 Spiele, sieben Skorerpunkte und drei Tore.
- Sven Senteler (33): Für den Routinier gilt das Gleiche wie für Vozenilek – an der Arbeitseinstellung und am Einsatz scheitert es nicht. Der Scoring Output ist aber seit seiner Rückkehr von der Verteidigung in die Offensive wieder eingebrochen – nur zwei Torbeteiligungen in den letzten zehn Spielen.
- Livio Stadler (27): Nach zwei guten Saisons bekundet das Zuger Eigengewächs in dieser Saison wieder deutlich mehr Mühe. Stabilisierte sich zwar, seit er neben Lukas Bengtsson spielt, aber da muss noch mehr kommen. Gemäss der "Zuger Zeitung" ist seine EVZ-Zukunft trotz weiterlaufenden Vertrags nicht garantiert.
- Fabrice Herzog (30): Der Flügelstürmer ist seit geraumer Zeit kaum wiederzuerkennen. Konnte sich zuletzt zwar wieder etwas steigern, aber seine Ausbeute (sechs Punkte in 29 Spielen) entspricht nicht den Ansprüchen. Sein Einsatz stimmt zwar, aber spielerisch kommt viel zu wenig und sein Einfluss aufs Spiel ist gering.
Viele Ausfälle, aber auch viel Qualität
Das Argument, dass die vielen Ausfälle für die dürftigen Leistungen zu verantworten sind, greift aber zu kurz. Einerseits, weil mit Lukas Bengtsson, Elia Riva, Dominik Schlumpf, Daniel Vozenilek und Loris Wey seit Mitte November einige Spieler zurückgekehrt sind und andererseits, weil die Anzahl verletzter Spieler keinen Einfluss auf die Einsatzbereitschaft haben sollte.
Die Resultate sind nicht primär das Problem, sondern die Auftritte. Es fehlt zu oft die Leidenschaft im Zuger Spiel. Dabei ist auch ohne die derzeit noch verletzten Spieler genügend Qualität vorhanden, um ein gutes Hockey zu zeigen. Nun ist Headcoach Michael Liniger mit seinem Coaching Team gefordert. Sie müssen Antworten und allen voran Wege finden, um dieses Team wieder in die Spur zu führen und das Feuer im Team zu entfachen. Die erhoffte Trendwende nach dem Trainerwechsel ist bislang nicht zu erkennen. Spätestens mit der (hoffentlich) baldigen Rückkehr von Tomas Tatar und mit jener von Raphael Diaz gibt es keine Ausreden mehr für das Zuger Team.
Entscheidende Phase im Dezember
Der EV Zug steht vor wegweisenden Wochen und muss sich die Weihnachtsferien gewissermassen noch mit einem harten Stück Arbeit verdienen. Am 16. Dezember findet das Rückspiel in der Champions Hockey League gegen Lukko Rauma statt, bei dem die Zuger einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen müssen. Danach bestreitet die Liniger-Equipe in der Meisterschaft bis Weihnachten vier Spiele innert sechs Tagen. Sollten die schwache Form anhalten, droht nicht nur das CHL-Aus, sondern auch ein grösserer Abstand auf die Playoff-Plätze. Im Fall mehrerer Niederlagen könnte sogar der Sturz aus den Pre-Playoff-Plätzen bedrohlich nahekommen. Derzeit beträgt der Vorsprung auf den HC Ambri-Piotta (11. Platz) zehn Punkte.
Sollten diese fünf Spiele misslingen, muss sich die sportliche Führung mit Fragen der unbequemeren Sorte beschäftigen. Es droht die dritte Saison in Folge, in denen die sportliche Leistung nicht den Erwartungen entspricht. Je nachdem, wie die Resultate ausfallen, könnte es dann auch für die Spieler und für den Coaching Staff langsam ungemütlich werden.
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